Yelena Popova
A World To Gain

 

September 6 – November 8, 2014  

Wir freuen uns, anläßlich von DC Open mit A World to Gain die erste Kölner Ausstellung der britisch-russischen Künstlerin Yelena Popova zu eröffnen. Eine neue Gruppe von Gemälden und Videos dokumentieren Popovas Interesse an Topoi wie “Sichtbarkeit”, Materialität und dem Wert von Objekten. Die Arbeiten der Ausstellung sind als komplexes Gefüge sich aufeinander beziehender Assoziationen und Verweise zu lesen, die die physischen, wirtschaftlichen und politischen Aspekte von Malerei adressieren.

In dem ersten Video der Ausstellung, Line Painting, befaßt sich Popova mit Malerei als Arbeitsakt: Ein kurzer Videoloop zeigt uns einen anonymen Arbeiter, der eine dicke Schicht gelber Farbe auf eine Londoner Straße aufträgt. An einer Stelle besteigt eine gut gekleidete Frau ein am Straßenrand geparktes Taxi und steigt dazu über die frisch gezogene Linie; dabei ignoriert sie den Arbeiter, als wäre er nicht da.

Koh-I-Noor ist der Titel des zweiten, im Eingang installierten Videos; und es ist der Name eines berühmten indischen Diamanten. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gehört dieser zu den britischen Kronjuwelen, Indien jedoch fordert ihn zurück. Der unendlich drehende Diamant in dem Video erinnert an ein rotierendes Werbezeichen eines kapitalistischen Unternehmens, das uns ewigwährende Werte und Schönheit zu versprechen scheint. Das Video- About 5 Minutes Remaining erzählt von Zeit-Sammlern, einer imaginären Gruppe von Arbeitern, die “verschwendete” Zeit auffegen, um sie zu recyceln und in den Wirtschaftskreislauf zurückzugeben. Die Zeit selbst wird zur Ware und es wird der Unterschied zwischen kognitiver und physischer Arbeit angesprochen sowie die Produktionsprozesse und Verteilung von Ware zwischen Ost und West. So wie der rotierende Diamant der letzten Szene aus About 5 Minutes Remaining in dem Video Koh-I-Noor gespiegelt ist, spiegelt sich der Aspekt der ausbeuterischen, wirtschaftlichen Beziehungen in der problematischen Kolonialgeschichte des indischen Diamanten.

Diese Videos bilden den Hintergrund vor dem die Gemälde Popovas verstanden werden können. Während sie sich mit der Differenz zwischen Kreativarbeitern (“Kognitariat” in den Worten der neuesten marxistischen Forschung) und Arbeitern, die Ihrer Hände Arbeit nutzen, auseinandersetzt, untersucht sie die Produktion von ökonomischen Mehrwert und wie dieser definiert werden kann, gerade in Zeiten der Digitalisierung. Man fühlt sich an die berühmte Schlussfolgerung aus Karl Marx’ Kommunistischem Manifest erinnert:: “Die Proletarier haben nichts in ihr [der kommunistischen Revolution] zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen. Proletarier aller Länder vereinigt Euch!”

Popovas “unsichtbare” Gemälde lassen eine eigentlich notwendige Bedingung von Malerei fast verschwinden: den Auftrag von Farbmaterial auf eine Oberfläche. Diese neue Form der gewissermaßen entkörperlichten Malerei läßt sich mit der physischen Abwesenheit digitaler Bilder vergleichen. “Unsichtbarkeit” wird als formales Mittel eingesetzt, die Aufmerksamkeit der Betrachter hervorzurufen und zwar solcher Betrachter, die erschöpft sind durch die schiere Masse an Bildern in unser zeitgenössischen Kultur. Der Rezipient ist hier aufgefordert, sich Zeit zu nehmen und sich zu bemühen, die abstrakten, kurvigen Formen auf der Oberfläche zu erkennen. Das ist ein vollkommen anderer Anblick als der eines Londoners, der beim Blick auf die Straße die gelben Markierungen eines anonymen Arbeiter sieht.

We are proud to present the exhibition A World to Gain by the British-Russian ar­­tist Yelena Popova – a premiere in Cologne on the occasion of DC Open. A new series of paintings and video work unfold Popova’s continuous interest in ‘visibility’, as well as mate­riality and the value of art objects. The works in the show interrelate to provide a complex network of asso­ciations and references that negotiate the physical, economical and political articulations of pain­ting today.

In the introductory video Line Painting Popova addresses the matter of painting as an act of la­bor. A short video loop presents an anonymous worker applying a thick layer of yellow paint to a road surface in London. At some point a well-dressed woman enters a cab parked at the curb, whilst stepping over the freshly painted lines she ignores the worker completely, as if he is invisible. Koh-I-Noor is the title of the second introductory video installed at the gallery en­trance, it is also the name of a famous Indian diamond. Since the mid 19th Century the Koh-I-Noor diamond has belonged to the British Crown Jewels, but India is still asking for it to be re­turned. The eternally spinning, shimmering diamond in the video resembles a rotating ad­ver­tising sign of a capitalist enterprise seeming to offer the promise of everlasting value and beauty. The video fable About 5 Minutes Remaining tells the story of time sweepers, an ima­gi­nary group of workers who clean up ‘wasted time’ to recycle and redistribute it. Here, time itself becomes a commodity and the difference between cognitive and physical labor, pro­duc­tion and the circulation of goods between East and West is addressed. Just as the ro­ta­ting diamond from the last scene of the fable is mirrored in the Koh-I-Noor video, the problem of exploitative, economic relations is mirrored by the troubled colonial history of the Indian dia­mond.

These videos create a wider context for Popova’s paintings to be seen in. Dwelling on the dif­fe­rence between creative workers (called by the latest Marxist theoreticians cognitariat) and wor­kers that use their hands, Popova examines the production of surplus value and how this can be defined, particularly in a time of digitalization. As the famous conclusion to Karl Marx’s Communist Manifesto proclaims: “The proletarians have nothing to lose but their chains. They have a world to gain. Working men of all countries, unite!”

Popova’s ‘invisible’ paintings withdraw a fundamental condition of painting itself: the appli­ca­tion of a colorful medium to a surface. This newly proposed disembodied form of painting can be compared to the physical absence of digital images. ‘Invisibility’ is used as a formal device to capture the attention of an audience exhausted by image overload in contemporary culture. The viewer is required to slow down and make an effort to recognize the abstract curvy forms floating on the surface. A totally different sight to that which a London resident sees when glancing at the minimalist yellow road markings made by an anonymous street worker.