Stian Ådlandsvik, Are Blytt, Per-Oskar Leu
<i>Scoundrel Days. A show initiated by Arne Austrheim</i>
June 16 – September 1, 2018
Installation view
Stian Ådlandsvik
<i>A changing of his name is sufficient for the speculator who finds himself in difficulties</i>, 2015
Steel railing reworked by unknown cars attempting to park, electrolytically chromed
85 x 185 x 14 cm
Per-Oskar Leu
<i>New Labour</i>, 2018
Charvet Place Vendôme silk necktie and GDR workers flag mounted on plywood in oak frame, vintage postcards in archival polyester sleeves
85,2 x 129,2 cm
Stian Ådlandsvik, Are Blytt, Per-Oskar Leu
<i>Scoundrel Days. A show initiated by Arne Austrheim</i>
June 16 – September 1, 2018
Installation view
Stian Ådlandsvik, Are Blytt, Per-Oskar Leu
<i>Scoundrel Days. A show initiated by Arne Austrheim</i>
June 16 – September 1, 2018
Installation view
Are Blytt
<i>Untitled (Figure)</i>, 2018 // <i>Untitled (Hands)</i>, 2018
Acrylic paint on Belgian linen, archival print on self-adhesive textile paper, aluminum frame
100 x 200 cm // 200 x 100 cm
Installation view
Are Blytt
<i>Untitled</i>, 2018
Oil and acrylic paint on Belgian linen, pigment print on textile paper, aluminum frame
200 x 100 cm
Are Blytt
<i>Untitled (Hands)</i> (Detail), 2018
Acrylic paint on Belgian linen, archival print on self-adhesive textile paper, aluminum frame
200 x 100 cm
Stian Ådlandsvik, Are Blytt, Per-Oskar Leu
<i>Scoundrel Days. A show initiated by Arne Austrheim</i>
June 16 – September 1, 2018
Installation view
Per-Oskar Leu
<i>Red Trout</i>, 2018
Antique Legras glass carafe, Charvet Place Vendôme silk necktie, fishing hook, wooden shelf
65 x 78 x 28 cm
Per-Oskar Leu
Detail of <i>Red Trout</i>, 2018
Antique Legras glass carafe, Charvet Place Vendôme silk necktie, fishing hook, wooden shelf
65 x 78 x 28 cm
Stian Ådlandsvik
<i>Portrait of Leibniz, after Pierre Savart</i>, 2017
Cape of Leibniz interpreted as a car-cover by a tailor in Leipzig, incised to replicate a car-cover in Oslo,
frame, ink-jet print mounted on dibond
180 x 150 and 80 x 120 cm (Diptych)
Stian Ådlandsvik, Are Blytt, Per-Oskar Leu
<i>Scoundrel Days. A show initiated by Arne Austrheim</i>
June 16 – September 1, 2018
Installation view
Stian Ådlandsvik, Are Blytt, Per-Oskar Leu
<i>Scoundrel Days. A show initiated by Arne Austrheim</i>
June 16 – September 1, 2018
Installation view
Stian Ådlandsvik
<i>Bruised Features #1</i>, 2017
Partially flattened I-beam
173 x 32 x 10,5 cm
Stian Ådlandsvik
<i>Bruised Features #1</i> (Detail), 2017
Partially flattened I-beam
173 x 32 x 10,5 cm
Are Blytt
<i>Untitled (Nelson)</i> (Detail), 2018
Acrylic paint on Belgian linen, archival print on self-adhesive textile paper, aluminum frame
100 x 200 cm
Per-Oskar Leu
<i>Bonjour, Monsieur Charvet (1888)</i> // <i>Bonjour, Monsieur Charvet (1890)</i>// <i>Bonjour, Monsieur Charvet (1891)</i>, 2018
Digital UV Print on plywood in oak frame, Charvet Place Vendôme silk necktie, handwritten letter signed by Édouard Charvet in archival polyester sleeve
58,2 x 49,7 cm (each)
Per-Oskar Leu
<i>Bonjour, Monsieur Charvet (1891)</i>, 2018
Digital UV Print on plywood in oak frame, Charvet Place Vendôme silk necktie, handwritten letter signed by Édouard Charvet in archival polyester sleeve
58,2 x 49,7 cm
Are Blytt
<i>Untitled (Pigeon)</i>, 2018
Oil and acrylic paint on Belgian linen, archival print on self-adhesive textile paper, aluminum frame
100 x 200 cm

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Stian Ådlandsvik, Are Blytt, Per-Oskar Leu
Scoundrel Days – eine Ausstellung initiiert durch Arne Austrheim
Eröffnung am 15. Juni 2018 um 19 Uhr
Die Ausstellung läuft vom 16. Juni bis 1. September 2018
Die Künstler sind anwesend


Wir freuen uns, am 15. Juni 2018 um 19 Uhr mit Scoundrel Days eine Ausstellung mit den drei nor-wegischen Künstlern Stian Ådlandsvik, Are Blytt und Per-Oskar Leu zu eröffnen, die dankenswerterweise der ebenfalls norwegische Sammler Arne Austrheim initiiert hat. Wir zeigen Installationen, Skulpturen und Gemälde; allen Werken gemeinsam ist die Auseinandersetzung der spezifischen Materialität der Arbeiten, mit Abstraktion und gleichzeitig mit gesellschaftlichen Themen wie zum Beispiel der Geschichte des Sozialismus.

Scoundrel Days (deutsch: Schurkentage) ist der Titel des zweiten Albums des norwegischen Pop-Trios A-ha. Es ist, so findet das Künstlertrio unserer Ausstellung, besser als das berühmtere Album Hunting High and Low, weil es von einem dunkleren, reiferen Sound geprägt ist. Ådlandsvik, Blytt und Leu sind Anhänger von A-ha, so wie auch große Teile des deutschen Publikums (es jedenfalls mal waren). Und "Schurkentage" sei nicht nur eine relativ gut passende Beschreibung der gegenwärtigen politischen Situation unserer Welt, sondern es sei auch ein Begriff, der weit genug sei, als Schirm für drei ganz verschiedene künstlerische Positionen zu dienen. Die allerdings haben mit Schurkenhaftigkeit oder ähnlichem nichts zu tun. Allerdings sind es drei jeweils sehr reflektierte und reflektierende Positionen und insofern könnte man sagen, daß es in gewisser Hinsicht skrupellose Positionen sind, denen die Vorstellung von eindeutiger Klarheit abgeht, die vielmehr diese Klarheit in Frage stellen.

Von Stian Ådlandsvik (Bergen, 1981) stellen wir vier Skulpturen und eine Wandarbeit, die aus einer Fotografie und einem in einem großen weißen Rahmen platzierten Stück Stoff besteht, aus. Die Bruised Features #1–3 sind drei ca. lebensgroße Skulpturen, Figuren assoziierend, die aufrecht im Raum stehen. Ådlandsvik hat für sie H-Stahlträger an einem Ende mit einem Hammer platt geschlagen, ungefähr dort, wo man sich bei einem Menschen den Kopf vorstellt. Abgesehen von dieser gewaltvollen Phantasie ist es aber auch einfach eine De-Funktionalisierung, die Ådlandsvik hier wirksam werden läßt: die Stahlträger, die normalerweise einen konstruktiven Zweck haben, werden zu autonomen, ihrem ursprünglichen Zweck entfremdeten Objekten.
Ähnlich verhält es sich bei der Arbeit mit dem langatmigen Titel A changing of his name is sufficient for the speculator who finds himself in difficulties. Was hat es mit der Namensänderung, die dem in Schwierigkeiten befindlichen Spekulanten genügt, auf sich? Genau die Umnutzung eines Titels, der eben nicht mehr erklärend, sondern verunklärend ist, ist eine Spiegelung der Strategie des Künstlers. Er hat für diese Arbeit Andere sich abarbeiten lassen an einer Straßensperre, die den Autofahrern Oslos offensichtlich im Weg war. So entstand eine kollektive Arbeit, die nur noch mit ihrer Verchromung vom Status "Schrott" in einen neuen Status "wertvolles Kunstobjekt" transferiert werden mußte.
Transfer ist auch das Stichwort für die Arbeit Portrait of Leibniz, after Pierre Savart. Hier überträgt Ådlandsvik ein Detail aus einem Stich (ein Leibniz-Portrait von Savart), nämlich ein über den abgebildeten Rahmen hinausragendes Stück Stoff vom Mantel des Philosophen, auf Elemente, die zum Teil wiederum von der Straße kommen, zum Teil in seinem Auftrag geschneidert wurden. Ådlandsvik bringt damit alles durcheinander: die abbildende Fotografie, den tatsächlichen und gerahmten und als Relief dienenden Stoff und wiederum den Stoff, der das Foto bedeckt, so wie eine Autoschutzhülle mit Riß ein Auto im Straßenraum Oslos bedeckte (und so den assoziativen Kreislauf im Kopf des Künstlers anstieß).

Von Are Blytt (Bergen, 1981) zeigen wir eine Gruppe von vier Gemälden, die in den letzten Monaten im Wiels in Brüssel, wo er ein Residenzstipendium hatte, entstanden sind. Es sind drei Querformate und ein Hochformat, jeweils 100 x 200 cm, resp. 200 x 100 cm, gemalt in Öl und Acryl auf belgischem Leinen, jeweils collagiert mit einem Pigmentdruck auf Papier.
Die in zartesten Grau- und Rosatönen gemalten Zonen lassen uns Wolken, Nebel- oder Rauchschwaden assoziieren oder an Schüttungen hochaufgelöster Aquarellfarbe auf Papier denken. Abstrakte Formen, die zunächst einmal vor allem elegant und ätherisch wirken und keinesfalls weitere Inhalte transportieren. Allerdings collagierte Blytt in jede Arbeit einen Pigmentdruck einer Fotografie: mal von einer Taube, als solche kaum zu erkennen, mal von einer männlichen Rückenansicht mit Händen, die uns ein Zeichen zu geben scheinen, mal von einem Schwarzen, an einem Kneipentisch sitzend, und schließlich auch von einem vermutlich nackten Mann, hinter einem Vorhang versteckt. Und diese Bilder im Bild, die mögliche Lösungsansätze für ein klareres Verständnis der Arbeiten suggerieren, aber dann diese wiederum ins Leere laufen lassen, diese Bilder im Bild sind Stolpersteine für unsere Wahrnehmung. Ein Gemälde kann nicht (soll nicht) allein die Verkörperung seines Malprozesses sein, sondern den Anspruch haben, darüber hinaus zu weisen. Es ist, wie der norwegische Kritiker Erlend Hammer schreibt, bei Blytt so, daß nicht mehr das Medium allein die Botschaft ist, sondern vielmehr ist das Gemälde ein Gefäß, das uns eine Vielzahl interpretativer und informativer (im zeichentheoretischen Sinne) Möglichkeiten bietet. Die Eleganz der Malerei wird dadurch gebrochen.

Die Werke von Per-Oskar Leu (Oslo, 1980) beziehen sich auf die französische Revolution, bzw. ihre dekadenten, kapitalistischen Nachwehen im ausgehenden 19. Jahrhundert. Er wird zeigen: drei Reproduktionen des Courbet-Selbstportraits L'homme à la pipe (1848, das Jahr der Revolution), auf Holz gedruckt, kombiniert mit Krawatten von Édouard Charvet und Autographen (handgeschriebene Briefe) Charvets; eine Assemblage auf Holz, bestehend aus Postkarten, die Fotografien der Pariser Kommune zeigen, einer Charvet-Seidenkrawatte, einer Arbeiterflagge, eine Karaffe aus dem 19. Jahrhundert in der Form der Siegessäule auf der Place Vendôme, wiederum in Kombination mit einer Charvet-Krawatte. Courbet, ein Sympathisant der Pariser Kommune, hatte dazu angeregt, die Siegessäule auf der Place Vendôme niederzureißen. Er wurde dafür bestraft, konnte jedoch ins Schweizer Exil entkommen. Und: An der Place Vendôme sitzt seit 1877 das Geschäft Édouard Charvets, des elegantesten Hemden- und Krawattenherstellers in Frankreich. Leus Werke sind entsprechend unter anderem als komplexe und kritische Reflektion der Tatsache zu lesen, daß der Kapitalismus den Sozialismus geschlagen hat, mit seiner Mode. Die Revolution war gescheitert, es siegten, wenn man so will, die Krawatten Charvets.

Wir danken Arne Austrheim ganz besonders dafür, daß er uns mit den drei Künstlern bekannt gemacht hat und die Idee einer Ausstellung junger norwegischer Künstler in Köln nachhaltig verfolgt hat.


Bei weiteren Fragen oder dem Wunsch nach Abbildungen wenden Sie sich bitte an die Galerie.

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Stian Ådlandsvik, Are Blytt, Per-Oskar Leu
Scoundrel Days. An exhibition initiated by Arne Austrheim
Opening on June 15, 2018 at 7 pm
Exhibition from June 15 to September 1, 2018
The artists will be present



We are pleased to announce the inauguration of Scoundrel Days, an exhibition with the three Norwegian artists Stian Ådlandsvik, Are Blytt and Per-Oskar Leu, that was initiated by the Norwegian collector Arne Austrheim. Installations, sculptures and paintings will be shown; what all the works have in common is the involvement of their specific materiality, with a coexistence of abstraction and social topics, for example the history of socialism.

Scoundrel Days is the title oft the second album of the Norwegian band A-ha. The artists of our exhibition feel, that this album is better than the more famous album Hunting High and Low, because it sounds darker and more mature. Ådlandsvik, Blytt and Leu are fans of A-ha, like a big part of Germany (at least the Germans used to be). Scoundrel Days is not just a fitting description of the current political situation of our world but also a concept, which is wide enough to serve as a shield for their three different artistic positions. Even though they have nothing to do with rogueship or the like. The fact that they are three reflecting and reflective positions suggests that they are unscrupulous in the sense that they cultivate positions that are questioning or even negating clearness.

By Stian Ådlandsvik (Bergen, 1981) we show four sculptures and one wall piece, which consists of one photograph and a piece of cloth placed in a big white frame. The series Bruised Features #1–3 consists of life-sized sculptures that stand upright in the room, associating figures. Ådlandsvik hammered the I-beams flat in one end where one can imagine the head on a human body. Apart from the violent fantasy it is also simply a de-functionalization produced by Ådlandsvik: the I-beams, which normally have a constructive function, turn into autonomous objects, which are estranged from their original purpose.
The work with the long title A changing of his name is sufficient for the speculator who finds himself in difficulties acts similar. What's up with the change of the name, which is sufficient for the speculator who finds himself in difficulties? Just the different use of the title, that is not explaining anymore but non-distinctive, is a reflection of the strategy of the artist. For this piece of art he had others doing the work for him on a street paneling that was obviously in the way of Oslo's drivers. With this, a collective work was created that was transferred from "junk" into a "valuable piece of art" by being chromium-plated.
Transfer is also the keyword for the work Portrait of Leibniz, after Pierre Savart. Here a detail of an etching (a portrait of Leibniz by Savart) is converted by Ådlandsvik: in the print a piece of cloth of the philosopher's coat overlaps the frame and thus exists in two areas. This overlapping of areas is mirrored by the artwork through elements that partly come from the streets and partly have been made by the artist's order (the cloth). Ådlandsvik mixes everything up with this: the depicting photography, the actual and framed cloth (serving as a relief), and again the cloth that covers the photograph, similar to a car cover with a tear covering a car on the streets of Oslo (and like this the associative cycle in the mind of the artist was started).

By Are Blytt (Bergen, 1981) we show a group of four paintings that were created at the Wiels, Brussels, where he was an artist in residence for the last months. Three landscape formats and one portrait format, each 100 x 200 cm / 200 x 100 cm, painted in oil and acrylic on Belgian linen, each collaged with a pigment print on paper. The areas painted in light shades of grey and pink make one associate them with clouds, fog or smoke or make one think of spills of high dissolved watercolor on paper. Abstract shapes, which first and foremost look elegant and ethereal and under no circumstance transport additional information. However, Blytt collaged a pigment print of a photography into every piece of art: of a pigeon, hardly recognizable as such, or of the view of a man's back with hands that seem to give us signs, or of a black man sitting at a table in a bar, and also of a probably naked man hiding behind a curtain. And these pictures in the picture may suggest possible approaches to the solution for a clear understanding of the works but then let them drain away. They are stumbling blocks for our perception. A painting cannot be (and should not be) only the portrayal of its painting process but be entitled to argue further. The Norwegian critic Erlend Hammer writes on Blytt's paintings, that "the medium is no longer the message, but rather a vessel, a transportation device through which all manner of information keeps flowing". The pure elegance of the painting is been questioned by this.

The works by Per-Oskar Leu (Oslo, 1980) refer to the French revolution, or rather to its decadent, capitalistically painful aftermaths towards the end of the 19th century. He is going to show three reproductions of the self-portrait of Courbet's L'homme à la pipe (1848, the year of the revolution), printed on plywood, combined with Édouard Charvet's ties and autographs (handwritten letters); an assemblage on wood, consisting of postcards (photographs of the Paris Commune), a Charvet silk-tie, a worker's flag, a glass carafe of the 19th century in the shape of the Colonne Vendôme in combination with a Charvet silk-tie. Courbet, a sympathizer of the Paris Commune, had proposed to pull down the Colonne Vendôme. He was punished for that but was able to flee into Swiss exile. And: At the Place Vendôme the store of Édouard Charvet is placed since 1877, the most elegant shirt and tie manufacturer in France.
Leu's pieces of art are amongst other things understandable as complex and critical reflections of the fact that capitalism has beaten socialism with it's fashion. The revolution failed, to put in another way, Charvet's silk-ties have won.

We'd like to thank Arne Austrheim especially for introducing us to the three artists and to pursue the idea of an exhibition with young Norwegian artists in Cologne.


For further information and/or images, please contact the gallery.