Silke Albrecht
<i>modern dream (5)</i>, 2018
Bronze plate, steel grid, lacquer, acrylic, spray and paper shreds (GEO) on cotton
60 x 40 cm
Silke Albrecht
<i>powers of ten (3)</i>, 2018
Acrylic, lacquer, spray, pigments, prints (powers of ten) and oil paint on cotton
180 x140 cm
Silke Albrecht
<i>shattered earth (12)</i>, 2018
Ink, acrylic, lacquer, paper, shoe pieces, thread and plastic foil on cotton
70 x 60 cm
Silke Albrecht
<i>shattered earth (4)</i>, 2018
Ink, acrylic, lacquer, spray, copper plate, projector foil, part of a Issay-Miyake-bag replica and plastic foil on cotton
60 x 50 cm
Silke Albrecht
<i>terrestrial (2)</i>, 2018
Ink, acrylic, oil paint, spray, cotton bags, fabric, thread and cotton towel on cotton
180 x 150 cm
Silke Albrecht
<i>Blut und Boden (3)</i>, 2018
Ink, acrylic, lacquer, oil paint, spray, stones and paper prints (screenshots "welcome to the Antrophocene") on cotton
250 x 220 cm
Silke Albrecht
<i>shattered earth (2)</i>, 2018
Ink, acrylic, paper, projector foil, spray, shoe parts, thread and plastic foil on cotton
60 x 50 cm
Silke Albrecht
<i>terrestrial (1)</i>, 2018
Ink, acrylic, oil paint, cotton bags, plastic bag, paper bag, fabric, thread and cotton towel on cotton
180 x 140 cm
Silke Albrecht
<i>modern dream (1)</i>, 2018
Copper plate, lacquer, acrylic, pigments, spray, paper shreds (GEO), thread and plastic foil on cotton
70 x 60 cm
Silke Albrecht
<i>modern dream (3)</i>, 2018
Lacquer, acrylic, oil paint, pigments, paper shreds (GEO), thread and plastic foil on cotton
70 x 60 cm
Silke Albrecht
<i>shattered earth (11)</i>, 2018
Ink, lacquer, acrylic, spray, yarn, copper plate, steel grid, plastic foil and paper shreds on cotton
70 x 60 cm
Silke Albrecht
<i>Zone Welt (3)</i>, 2018
Oil paint, paper shreds, plastic foil, transparent film, spray, stones and yarn on cotton
60 x 50 cm
Silke Albrecht
<i>Blut und Boden (2)</i>, 2018
Ink, lacquer, acrylic, pigments, oil paint, spray, paper prints (screenshots "welcome to the Antrophocene") on cotton
220 x 250 cm
Silke Albrecht
<i>terrestrial (5)</i>, 2018
Ink, oil paint, cotton bags, plastic bag, thread and cotton towel on cotton
180 x150 cm

Am 11. Januar 2019 eröffnen wir um 19 Uhr die erste Ausstellung im neuen Jahr und zugleich unsere erste Ausstellung mit der Malerin Silke Albrecht (*1986 in Soest, lebt und arbeitet in Düsseldorf).

Silke Albrecht hat zwischen 2006 und 2010 bei Prof. Michael van Ofen an der Kunstakademie Münster und zwischen 2010 und 2015 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Andreas Gursky Freie Kunst studiert und in 2015 ihr Studium als Meisterschülerin von Andreas Gursky abgeschlossen.

Im Zentrum der Arbeiten von Albrecht steht eine Auseinandersetzung mit dem Verlust eines einheitlichen Weltbildes im Kontext zeitgenössischer geologischer, ökologischer und geopolitischer Probleme. Der Ausstellungstitel shattered earth (zerschlagene, zersprungene, zerschmetterte Erde) suggeriert eine Fragmentierung jenes ganzheitlichen Blicks auf einen vermeintlich unberührten Planeten Erde, wie er sich seit der berühmten "Blue Marble" Fotografie in das kollektive visuelle Gedächtnis eingeprägt hat. Die Ge­mälde – und über diesen Begriff wird noch zu sprechen sein – Albrechts können als Manifeste ei­ner kritischen – im doppelten Sinne von kritisierend und analysierend – Haltung gegenüber anthropozentrisch geprägten Sichtweisen auf die Welt ver­standen werden. Diese Haltung zeigt sich neben dem Ausstellungstitel auch in ihren Bildtiteln bzw. jenen ihrer Bildserien; sie orientieren sich u.a. an Begriffen und Redewendungen wie "powers of ten" (die Zeh­nerpotenzen in der Mathematik, gleichzeitig ein Film von Charles und Ray Eames aus 1977), "terrestrial" (die Erde betreffend), "Blut und Boden" (die von den Natio­nal­so­zia­listen auf so verhängnisvolle Art und Weise behauptete Ver­bin­dung der Deut­schen zu "ihrer" Erde) oder "modern dream" (als Kurzfassung der Be­schrei­bung der fortschrittsgläubigen Zielorien­tiert­heit des Menschen in der Moderne). Die Idee einer "zer­sprungenen" Erde macht uns gleicher­maßen die drohenden und – durch den mo­der­nen Menschen und seine "Moderni­sie­rungs­pläne" (so Bruno Latour in seinem Buch Das terrestrische Manifest [2017], S. 13) – schon realisierten Risi­ken unseres Le­bens­raumes be­wusst. Mit diesen geht ein weiteres Zerspringen einher, jenes der Mög­lich­keit eines ganz­heitlichen, objektivierbaren Bildes, das man sich von der Erde machen kann. Eine Im­plikation dieser Problematik besteht darin – und so hat es Latour be­schrie­ben –, dass sich der Mensch im "Anthropozän" (ein Begriff, der in 2000 von zwei Naturwissen­schaft­lern als Vor­­schlag, eine neue geochronologische Epoche zu benennen, ins Spiel gebracht wurde) nicht mehr dichotomisch gegenüber von "Natur" positionieren kann, sondern statt­dessen in komplexer Weise mit dieser verschränkt ist. Im Unterschied da­zu steht die moderne Sicht auf die Erde vom Weltraum aus, eine Sicht, die nur vermeintlich die Er­de als Ganzes erfahr­bar und wahrnehmbar werden lässt. Denn die Distanz, die die Er­de scheinbar zum Ob­jekt werden lässt (nicht zuletzt auch durch Mittel wie die Luftfotografie, die Sug­gestio­nen von Google Earth, Fil­me wie Powers of Ten), nimmt uns zugleich die unmittelba­re Nähe, der wir uns am Ende ja nicht entziehen können.

Nur vor diesem Hintergrund sind die Arbeiten von Silke Albrecht zu ver­stehen. Die einzelnen Serien beschreiben dabei jeweils inhaltliche Schwer­punk­te dieses Themenkom­plexes: in den terrestrial-Werken tauchen – als Bild­ele­mente – schematisch ge­zeich­ne­te Pole der Erde und ihre Eismassen auf, zu­sam­men mit Plastiktüten, die für die Ver­schmutzung der Weltmeere stehen kön­nen, genauso wie Tote-Bags, die eine mögliche (Teil-)Lösung dieses Problems implizieren (und dies auch mit Werbesprüchen wie "Fair­trade" oder "Zurück zur Natur" behaupten). Die Pole können als Metaphern für den Glo­bus, das ver­letzliche und verletzte Territorium, das es zu bewahren gilt, gelesen wer­den. In ihre powers of ten-Werke hat Albrecht Stills des Films collagiert. Der Mensch ist hier die Schnittstelle, der Nullpunkt, von dem aus die Reise in das Univer­sum bzw. in die ato­maren Strukturen angetreten wird. Über diese colla­gier­ten Bilder legt Albrecht ein ge­zeichnetes Bild des Mannes aus powers of ten sowie, so scheint es, ga­laktischen Staub. In den Bildern der shattered earth-Serie setzt Albrecht Materialien wie di­ver­se Me­talle, Papierfetzen, Klarsicht- und Plastikfolien und Schuhteile zueinander in Beziehung, ohne dass sich daraus ein kohärentes Ganzes mit eindeutigen Bedeutungsasso­zia­tionen erge­ben würde. Albrecht hat da­bei eine Art der Wiederverwertung von Ate­li­er-Materialien/Resten vorgenommen. Für die beiden Blut und Boden-Arbeiten hat Albrecht Ausdrucke von Stills des Videos Welcome to the Anthro­po­cene (2012, von Felix Pharand-Deschenes und Owen Gaffney) ver­ar­beitet, das eine Computersimulation der Weltkugel zeigt. Ein Voice-Over Text und ein Graph verdeutlichen, wie der Mensch seit der industriellen Re­vo­lution durch u.a. technische, energetische, agrarische Ent­wick­lun­gen verändernd in das Erdsystem eingegriffen hat. Dieser Graph stürzt bei Blut und Bo­den (2) in ein schwar­zes Loch, das keine visuellen Informa­tio­nen bietet und so als Me­ta­pher für die u.U. gegebene Haltlosigkeit unserer Situation ge­lesen werden kann. In Blut und Boden (3) werden die Bilder von der Erde von einer Sturzflut von Far­be und Steinen bedroht, als würde die "Erde" über dem ganzheitlichen Bild von der Erde zu­sammen­stür­zen.

Schon oben haben wir in Frage gestellt, ob man bei Silke Albrechts Arbeiten aus shattered earth von "Gemälden" im engeren Sinne des Wortes sprechen kann. Denn es handelt sich nicht um mit dem Pinsel auf Leinwand gemalte Formen und Farben. Vielmehr arbeitet Albrecht u.a. auch mit Mitteln der Collage, der As­sem­blage sowie des Nä­hens und Stickens. Sie schüttet, sie wischt, sie zeichnet auf die Leinwand. Entscheidend aber ist, dass es hier einerseits um malerisch-ästhetisch hoch wirksame, eindrucksvolle und überzeugende Bilder auf Lein­wand geht, welche die Zwei­di­mensionalität der Leinwand teil­wei­se reliefartig überschreiten und andererseits um die Freude an der Schaffung die­ser Werke. Mit dem beschriebenen Inhalt steht dies insofern in Verbindung, als Albrecht nicht Ob­jek­te darstellt oder abbildet, sondern vielmehr ganz konkret schafft. Sie bringt sich als Ak­teurin ein, nicht als distanzierte Darstellende. Die Kreation als eigentlicher Akt, der das Bild (die Bildwelt) hervorbringt.

 

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On January 11, 2019 we will open at 7 p.m. our first exhibition in the New Year and at the same time the first exhibition with the painter Silke Albrecht (*1986 in Soest, lives and works in Düsseldorf).

Silke Albrecht studied between 2006 and 2010 with Prof. Michael van Ofen at the Art Academy Münster and between 2010 and 2015 at the Art Academy Düsseldorf with Prof. Andreas Gursky. In 2015 she finished her studies as a master student of Andreas Gursky.

Albrecht's work focuses on an examination of the loss of a uniform view of the world in the context of contemporary geological, ecological and geopolitical problems. The exhibition title shattered earth suggests a fragmentation of the holistic view of a supposedly un­touched planet Earth that has been engraved in collective visual memory since the famous "Blue Marble"-photograph. Albrecht's paintings – and this term will still have to be dis­cussed – can be understood as measures of a critical, in the double sense of criticizing and analyzing, attitude towards anthropocentrically shaped views of the world. This attitude can be seen not only in the title of the exhibition, but also in the titles of the paintings and their respective series; among other things, they are orientated towards concepts and idioms such as "powers of ten" (the powers of ten in mathematics, at the same time a film by Charles and Ray Eames from 1977), "terrestrial" (concerning the earth), "Blood and Soil" (the relation of the Germans to "their" soil so fatefully asserted by the Na­tional Socialists) or "modern dream" (as a short version of the description of man's pro­gressive goal orientation in modernity). The idea of a "disintegrated" earth makes us equal­ly aware of the threatening and – through the modern human being and his "plans for modernity" (according to Bruno Latour in his book Down to Earth [2017]) – already realized risks of our living space. These are accompanied by a further bursting, that of the possibility of a holistic, objectifiable image that can be made of the Earth. One implica­tion of this problem – and this is how Latour described it – is that man can no longer po­sition himself dichotomically against "nature" in the "anthropocene" (a term brought in­to play in 2000 by two scientists as a proposal to name a new geochronological epoch), but instead is complexly intertwined with it. In contrast to this, there is the modern view of the Earth from space, a view that only supposedly allows the Earth to be experienced and perceived as a whole. For the distance that makes the Earth seem to become the object (not least through means such as aerial photography, the suggestions of Google Earth, films such as Powers of Ten) decreases our immediate proximity, which we cannot escape in the end.

The works of Silke Albrecht can only be understood against this background. The individu­al series describe the focal points of this thematic complex: In the terrestrial-works, sche­matically drawn poles of the earth and its ice masses appear – as pictorial elements – together with plastic bags that can stand for the pollution of the oceans, as well as tote-bags that imply a possible (partial) solution to this problem (and also claim this with ad­ver­tising slogans such as "Fair-Trade" or "Back to Nature"). The poles can be read as me­taphors for the globe, the vulnerable and wounded territory to be preserved. Albrecht has col­laged stills of the film into her powers of ten-works. Man here is the interface, the zero point, from which the journey into the universe or atomic structures begins. Over these col­laged images Albrecht draws an image of the man from powers of ten and, it seems, ga­lactic dust. In the paintings of the shattered earth-series, Albrecht relates materials such as metals, shreds of paper, transparent and plastic films and shoe parts to one ano­ther, without producing a coherent whole with unambiguous interpretative associations. Albrecht has carried out a kind of recycling of studio materials/remnants. For the two Blood and Soil-works, Albrecht used printouts of stills from the video Welcome to the An­thro­pocene (2012, by Felix Pharand-Deschenes and Owen Gaffney), which shows a com­pu­ter simulation of the globe. A voice-over text and a graph illustrate how, since in­dus­trial revolution, man has intervened in the earth system in a transforming way through, among other things, technical, energetic and agrarian developments. This graph plunges in­to a black hole in Blood and Soil (2), which offers no visual information and can thus be read as a metaphor for the possibly given groundlessness of our situation. In Blood and Soil (3), the images of the Earth are threatened by a flash flood of colors and stones, as if the earths were falling over the entire image of the Earth.

We have already questioned above whether Silke Albrecht's works shown in shattered earth can be described as "paintings" in the narrower sense of the word. For they are not forms and colors painted on canvas with a brush. Albrecht also works with the means of col­lage, asessemblage, sewing and embroidery. She pours, she wipes and she draws on the can­vas. What is decisive, however, is that on the one hand it is about highly effective, impres­sive and convincing pictures on canvas, which partly exceed the two-dimensions of the canvas in relief, and on the other hand about the joy of creating these works. This is connected with the content described in so far as Albrecht does not represent or depict ob­jects, but rather creates them in a very concrete way. She brings herself in as an actua­tor, not as someone who depicts with a distance. Creation as an own act that produces the image (the pictorial world).

 

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