Ralf Ziervogel
<i>Mamaterial</i>
Figge von Rosen Galerie, Cologne
Installation view
Ralf Ziervogel
<i>Mamaterial</i>
Figge von Rosen Galerie, Cologne
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Ralf Ziervogel
<i>Mamaterial</i>
Figge von Rosen Galerie, Cologne
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Ralf Ziervogel
<i>Mamaterial</i>
Figge von Rosen Galerie, Cologne
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Ralf Ziervogel
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Figge von Rosen Galerie, Cologne
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Ralf Ziervogel
<i>Mamaterial</i>
Figge von Rosen Galerie, Cologne
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Am 3. November um 19.00 Uhr eröffnen wir die Ausstellung des Berliner Künstlers Ralf Ziervogel. Der 1975 in Clausthal-Zellerfeld geborene Ziervogel, der bereits während seines Studiums an der UdK bei Lothar Baumgarten Videos und großformatige Zeichnungen ausgestellt hat, wird während der ArtCologne zum ersten Mal eine medienübergreifende Rauminstallation präsentieren.

Für die Realisation der als Abschlußarbeit von der Akademie entworfenen dreiteiligen Arbeit Mamaterial wird die Galerie so umgebaut, daß eine völlig neue Raumaufteilung mit Verbindungstunneln und doppelten Türen entsteht. Den Auftakt der aufwendigen Inszenierung bildet ein scheinbar leerer Galerieraum, aus dem ein Tunnel in die Tiefe führt. Vor dem dunklen Abgang versinkt ein Skateboard und ein kühlschrank-frisches Suppenhuhn, bestempelt mit dem KaDeWe–Logo, in einem kniehohen Mehlberg. Dumpf hämmernder Technobass hallt aus der Dunkelheit und zieht den Betrachter durch den Tunnel die Treppe hinab. Mit jeder Stufe gewinnt der Bass an physischer Präsenz. Unten angekommen wird man gänzlich erfaßt von der Monotonie des aus vier Subwoofern und ebenso vielen Trichter-Lautsprechern dröhnenden Soundtracks zu dem großflächig projizierten Videoloop Mit der Bahn zur Arbeit. Das Gesicht zu Grimassen verzerrt sieht man Ziervogel in einem morgentlichen Pendlerzug einem elenden Alltag entgegen rasen. Bild und Ton drängen den Besucher weiter. Um in den nächsten Raum zu kommen muß man sich durch eine Schleuse zwängen, die die lärmende Musik draußen und die auf 5 Grad heruntergekühlte Luft im letzten Teil der Installation drinnen läßt. Mit dem Schließen der zweiten Tür verstummt der Lärm und man steht fröstelnd vor einem mächtigen 4 Meter langen Kartentisch. Dahinter ist die Projektion einer züngelnden Kerzenflamme unter einer schwach glimmenden Glühbirne zu sehen. Haben sich die Augen erst an die Dunkelheit gewöhnt entdeckt man auf der die ganze Tischplatte überziehenden Filzdecke ein mit feinem Salz gezeichnetes Universum und eine französische Hartwurst. Darunter lehnt ein blauer Scout-Schulranzen an einem Tischbein.

Die Installation markiert für Ziervogel einen wichtigen Schritt in seiner Laufbahn, da sie alle bisher von ihm verwandten Medien wie Objekte, Zeichnungen und Videos in einem Werk zusammenführt, das nur scheinbar existenzielle Fragen, nach dem Sinn des Dasein oder auch der Bedeutungslosigkeit individueller Biografien aufwirft. Der Künstler spielt vielmehr mit allgemeinen Klischees, die die Sehnsucht des Betrachters/Menschen nach Sinnerfüllung und die gerade im Kunstkontext wichtige Dechiffrierung von Bedeutungszusammenhängen in Frage stellen. Das "Konglomerat der Klischees" (Ziervogel) beginnt bereits mit dem ersten Raum, einem White Cube, in dem das KaDeWe - Huhn im Mehlberg versinkt und durch ein den Kontext durchbrechendes Skateboard poetisch aufgeladen wird.

Die im zweiten Raum an Hand des Videos "Mit der Bahn zur Arbeit" physisch erlebbare Monotonie des Arbeitslebens, lädt den Betrachter zu einer sozialkritischen Interpretation ein. Daß das nicht gemeint sein kann, wird spätestens klar, wenn man weiß, daß hier der Künstler selbst – Vertreter einer Generation junger Kreativer – als Gefangener des Alltags gezeigt wird. Ähnlich irreführend verleitet auch die Projektion von Kerze und Glühbirne zu weittragenden Gedankenspielen über die verschiedenen Erkenntnisstufen der Menschheit, doch spenden sie letztlich nur Licht für das Universum aus Salz, das in ihrem schwachen Schimmer auf dem schweren Kartentisch erkennbar wird.

Während die verschiedenen Utensilien der Installation (Mehl, Huhn, Salz, Skateboard, Schulranzen und französische Hartwurst) alle dem Kontext eines Haushaltes entstammen, so bieten sie dem Betrachter doch völlig unterschiedliche Ansätze zum Verständnis des Werkes. Und gerade in dem das Verstehen daran scheitert, sie als Konglomerat zu begreifen, fügen sich die Einzelteile zu einem übergeordneten Thema der Arbeit zusammen: der Verführbarkeit des Betrachters. 

Für weitere Informationen und/oder Abbildungen wenden Sie sich bitte an die Galerie.

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On November 3 at 07.00 p.m., in the midst of the Art Cologne, we inaugurate the exhibition Mamaterial by the Berlin-based artist Ralf Ziervogel. Ziervogel, born in 1975 in Clausthal-Zellerfeld, graduated from the University of Fine Arts, Berlin, as a student of Lothar Baumgarten. While he had already exhibited videos and drawings during his studies, he will present for the first time in our exhibition to a larger public a large-scale installation in which he uses all kinds of media.

For the construction of this work which consists of three rooms connected by a tunnel an a double door, the gallery has been totally reorganized. The installation takes off with the apparently empty gallery space off which the tunnel leads down into the depth. In front of the entry to the dark path downstairs we see a skateboard on which is mounted a fresh boiling fowl that has been branded with the KaDeWe logo (famous Kaufhaus des Westens in Berlin). It had flown into a knee-high pile of flour. From downstairs we hear muffled techno-rhythms that lure the viewer into the basement. Step by step, the sound is gaining more physical presence. Once the viewer is in the basement, he is totally submerged in the monotony of the deafening sound produced by four subwoofers and four hornes. The musis accompanies a large projection of a videoloop with the title Mit der Bahn zur Arbeit (Taking the Train to Work). The video shows the distorted face of Ziervogel sitting in an early commuter train, being carried towards a lousy day. Image and sound erge the viewer towards the next room (and the last part of the installation) which can be reached through a sluice of two doors; gone through these doors, the viewer leaves behind the loud music and enters a room cooled down to 5°C. By closing the second door the sound is silenced, the viewer is standing in the cold air and is confronted with an almost 4 m long map table. Behind that table can be seen a dimly glowing light bulb; below that bulb is situated a flickering candle. Both sources of light are – again – just a projection. Once the eyes have adjusted to the darkness the viewer recognizes a universe drawn with salt on the black felt of the table top; in addition to the universe we detect a dry sausage from France and a satchel of the brand Scout leaning against one of the legs of the table.

For Ziervogel, the installation is an important step in his career since it combines all media he had used upto now: objects, drawings and videos are brought together in just one piece of art that seems to raise the essential questions on the meaning of life or, better, on the meaninglessness of individual biographies. The artist is playing with ordinary clichés as for instance the viewer´s or the general human being´s longing to do something meaningful and with the process of de-ciphering of hidden meanings which is so important in the context of art. The "conglomerate of the clichés" (Ziervogel) starts in the first room: the white cube of the gallery, which is loaded poetically by the KaDeWe-chicken on its skateboard.

The monotony of work-life, made tangible in the video Taking the Train to Work shown in the second room, invites the viewer to a socially conscious interpretation. However, in the end, that is not meant, as is made obvious by the way the artist himself – being in the real world a representative of a generation of young, creative people – ironically is shown as a captive of daily life.

The projection of the candle and the light bulb is equally deceptive as far as it leads the viewer to deep thoughts about the different steps of cognitive evolution, however, in the end, they just shed the light which is necessary to see the universe made of salt on the map table.

While the different items of the installation (flour, chicken, salt, skateboard, satchel and dry French sausage) all come out of the context of normal households (they are: mama-material), they offer to the viewer totally different approaches of an understanding of the work. And because it is not possible to understand the whole as a conglomerate, the disparate parts in the end have one overall-theme: the seducibility of the viewer.

For further information and/or images please contact the gallery.