Haïdée Henry
<i>Les Pieds dans le Ciel</i>
January 20 – March 3, 2007
Figge von Rosen Galerie, Cologne
Installation view
Haïdée Henry
<i>Les Pieds dans le Ciel</i>
January 20 – March 3, 2007
Figge von Rosen Galerie, Cologne
Installation view
Haïdée Henry
<i>Les Pieds dans le Ciel</i>
January 20 – March 3, 2007
Figge von Rosen Galerie, Cologne
Installation view
Haïdée Henry
<i>Les Pieds dans le Ciel</i>
January 20 – March 3, 2007
Figge von Rosen Galerie, Cologne
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Haïdée Henry
<i>Les Pieds dans le Ciel</i>
January 20 – March 3, 2007
Figge von Rosen Galerie, Cologne
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Haïdée Henry
<i>Les Pieds dans le Ciel</i>
January 20 – March 3, 2007
Figge von Rosen Galerie, Cologne
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Am Freitag den 19. Januar um 19.00 Uhr eröffnen wir mit Les Pieds dans le Ciel die erste Einzelausstellung der französischen Künstlerin Haïdée Henry (1978, Nîmes), die 2006 die École Nationale Supérieur des Beaux Arts in Paris abgeschlossen hat. In der Ausstellung der Absolventen mit Auszeichnung gewann sie den Hiscox Preis. Neben zwei großen Installationen, werden in der Ausstellung Les Pieds dans le Ciel mehrere Skulpturen und Zeichnungen zu sehen sein.

Mit ihren oftmals durch kleine Motoren animierten Arbeiten erschafft die Künstlerin eine mystische Traumwelt, in der es ähnlich wie in einem Märchen keine hierarchisierende Abgrenzung zwischen den verschiedenen Entitäten, wie Menschen, Tieren, Möbeln oder auch Maschinen gibt. Alles scheint zu leben und ein eigenständiges Dasein innerhalb der ihm jeweils von der Künstlerin verliehenen Bedingungen zu führen. So tritt der Holzstuhl Attente (2005) – ausgestattet mit einem felligen Bein –nach einer vorbeilaufenden Maus, ein weiß-gefiedertes Vogeltier mit dem Haupt eines langhaarigen Mädchens beugt sich über einen Stuhl wie in L'autre ment (2007) und die überlebensgroße Skulptur Venus (2006), ein aufrecht stehendes Phantasietier mit schwarzem Pelz, das trotz seiner beeindruckenden Größe schüchtern die Hände vor dem zitzenreichen Bauch faltet, zuckt erschreckt zusammen, wenn man ihr zu nahe kommt. Der Schreck überträgt sich auf den Betrachter und das zunächst harmlos erscheinende Wesen entblößt seine dunkle Seite – eine gespenstische, allein schon durch ihre Größe bedrohliche Wirkung. In diesem Moment offenbart sich buchstäblich eine Wirkungs-Mechanik der animierten Skulpturen von Henry.

Indem sie die Kreaturen mit ihren eigenen Ängsten, Sehnsüchten und Fantasien auflädt, verleiht sie ihnen eine neue, oftmals verstörende Identität. Sexualität und Gewalt verdrängen hier die naiv-freundliche Anmutung humanoider Objekte und Tiere. Dieses aus der Erinnerung an eine heile Kinderwelt und der provozierenden, inhaltlichen Aufladung ihrer Arbeiten bestehende Paradoxon ist unangenehm und verstörend, da Erwachsenenthemen dem kindlichen Universum die Aura der Unschuld rauben. So zum Beispiel auch in der Installation Le loup au bois dormant (2007), in der Henry den Betrachter in die Rolle des grimmschen Rotkäppchens versetzt, das in das Haus seiner Großmutter kommt. Hinter einem undurchsichtigen Vorhang liegt ein lebensgroßer Wolf sorgfältig zugedeckt in einem Bett. Daneben ein Sessel, der zum Verweilen neben dem friedlich erscheinenden Tier einlädt. Setzt sich der Besucher aber auf Rotkäppchens Platz, schwillt unter der Bettdecke das Glied des Wolfes zu einer deutlich sichtbaren Erektion und zerreißt die Illusion einer harmlosen Szene. Wie im Märchen entpuppt sich die gute Großmutter als böser Wolf, doch geht die Künstlerin über die bildhafte Bedrohung des Gefressenwerdens hinaus. Der Wolf ist ein Mann, der sich dem schutzsuchenden Mädchen sexuell aufdrängt und das hierdurch verursachte Unbehagen macht auch jedem männlichen Besucher schlagartig bewußt, wie unangenehm auch gewaltlose sexuelle Übergriffe seien können. Zugleich verweist die Künstlerin dabei auf die versteckte Brutalität und Sexualität in den tradierten Märchen und stellt die Frage nach den Sprachcodes, die die Geschichten hinter den Geschichten verstecken. Das gelingt ihr, ohne dabei verbissen feministisch oder didaktisch zu sein. Vielmehr entfalten ihre Arbeiten unweigerlich eine gewisse Komik und Ironie. Etwa wenn der Besucher sich vor Schreck wieder von dem Sessel erhebt und die Erektion augenblicklich verschwindet.

Dieses Augenzwinkern findet man auch in Enfant modèle (2006) einer Serie von 37 kleinformatigen Zeichnungen wieder, für die die Künstlerin von einem Stempel mit einem braven Jungen und einem braven Mädchen mit Zöpfen nur die Oberkörper zeigt. Mit den Unterkörpern beschreibt sie zeichnerisch Blatt für Blatt die ganze Bandbreite möglicher körperlicher Beziehungen. Mit immergleichem Ausdruck reiben die zwei Figuren ihre Beine, kopulieren in den unterschiedlichsten Stellungen, liebkosen sich, scheißen zusammen, pissen sich an, tanzen und vertauschen dabei auch noch unbekümmert ihr Geschlecht. Was bleibt, ist der beständige Halt, den sich die zwei Figuren geben. Diese ungerührte Innigkeit, mit der die Zwei die physischen Eskapaden bestreiten, macht aus der Serie einen wohlwollenden Kommentar zu allen lust- und leiderfüllten Liebesbeziehungen.

Weniger erotisch – aber nicht minder poetisch – reduziert Henry in der Installation ohne Titel (2006) eine Zweierbeziehung auf das brutale Aufeinandereinschlagen zweier Gestalten. Auf einem weißen, rechteckigen Podest von 2 x 3 Metern stehen sich bewegungslos zwei auf einfache Kanthölzer reduzierte Figuren gegenüber, die mit zwei langen Schlagstöcken aufeinander zeigen. Nähert man sich, schwingen die Schlagstöcke langsam zur Seite und schlagen krachend aufeinander, bevor sie zum nächsten Schlag ausholen.

Erinnert die Mechanik gerade in dieser Arbeit natürlich an die Kunst von Rebecca Horn, so muss man den Bezug des Werkes von Haïdée Henry insgesamt doch viel eher bei ihrer ehemaligen Lehrerin Annette Messager suchen, in deren Arbeiten ebenfalls das listig-fröhliche Spiel mit den Klischees von Weiblichkeit und eine provozierende Beschäftigung mit dem Körperlichen zu finden ist.

Für weitere Informationen und/oder Abbildungen wenden Sie sich bitte an die Galerie.

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With Les Pieds dans le Ciel we inaugurate the first single exhibition of the French artist Haïdée Henry (1978, Nîmes) who has graduated in 2006 from the École Nationale Supérieur des Beaux Arts in Paris. She was included in the exhibition of all the graduates who finished academy with honors and she won the Hiscox Award given for the best artist in this exhibition. Besides two large installations we will show several sculptures and drawings in our exhibition Les Pieds dans le Ciel.

Henry is creating a mystic dream world with her sculptures, which are often animated by small motors. In this world does not exist a hierarchy between the different entities like human beings, animals, furniture or machines – as if it were the personal of a fairy-tale. Everything seems to live and to have its own form of existence within the world conditioned by the artist. Examples: there is the wooden chair Attente (2005) trying to kick a mouse, which is passing by, with his fury leg, or – in L'autre ment (2007) – a white, feathered birdlike-animal with the head of a girl with long hairs bends over a chair, or the larger-than-life sculpture Venus (2006), that is a standing fantastic animal with black fur, which is folding its hands in front of its tummy full of teats and which is twitching as soon as a viewer is approaching. In this case, the viewer is shocked as is the Venus and the presumably innocent creature shows its dark side – an effect that can be described as eerie and threatening. In such a moment the mechanism of effects of her animated sculptures becomes obvious.

By loading her beings with her own anxieties, longings and fantasies, Henry is giving them a new, sometimes disquieting identity. Sexuality and violence replace the naïve and friendly character of fairy-tale human personal, animals and objects. The paradoxon – created by memorizing the pleasant world of children and the provoking content of the sculptures – is disquieting and awkward since topics from the world of the grown-ups rob the aura of innocence of the children's universe. This is in particular true, for example, for the installation Le loup au bois dormant (2007), in which Henry puts the viewer in the role of the Little Red Riding Hood that visits her grandmother: a wolf lies behind a curtain in a bed, covered by a blanket. In front of the bed, the artist placed a chair, with which she invites the viewer to sit down. As soon as one is seated, the wolf gets an erection and thereby the illusion of a harmless scene is destroyed. Like in the fairy-tale, the grandmother turns out to be the bad wolf. However, in her installation Henry is going one step further than just threatening that we will be eaten. In her case, the wolf is a man who is sexually harassing the girl, which is mistakenly searching to be protected. The sexual unease caused by that makes obvious, even for male viewers, how even just mental sexual infringements can be disturbing. In addition to that, Henry points to the hidden violence of the good old fairy-tales and she questions the codes hiding the stories behind the stories.

She is doing all that without being overeagerly feminist or didactic. The contrary is true, because her works are able to develop a certain sense of humor and irony – for instance in the moment the wolf's erection disappears as soon as the viewer stands up again.

This kind of humorous twinkling can be found too in the series of 37 small-scale drawings Enfant modèle (2006). For this group of drawings, Henry used a stamp of which she shows only the upper part of the body of a nice little boy and a nice little girl with pigtails. For the lower parts of the bodies she renders the whole spectrum of bodily relations. The figures are rubbing their legs, they copulate in diverse positions, they caress themselves, they shit together, they urinate against each other and they exchange their sex. What remains the same is the continuing innocence while the two hold each other. The intimacy with which the two endure their physical endeavors, turns the series into a kind comment regarding all kinds of relations of love and lust.

In her installation Untitled (2006) Henry reduces – somehow less erotic, however, not less poetic – the relation between two beings to a brutal slapping. Standing on a white base of 2 x 3 m, two wooden figure-like sticks with batons point to each other; only when a viewer approaches the work, the batons swing out and hit each other violently.

While the mechanism of this work reminds us of the sculptures by Rebecca Horn, the relation of these pieces is much stronger to the œuvre of Henry's former teacher Annette Messager. As in her work, Henry's pieces play with the clichés of the female sex and they deal provokingly with the human body.

For further information and/or images please contact the gallery.