Walter Dahn
<i>Solaris. Fotografie 1973–2010</i>
Figge von Rosen Galerie, Cologne
Installation view
Walter Dahn
<i>Solaris. Fotografie 1973–2010</i>
Figge von Rosen Galerie, Cologne
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Walter Dahn
<i>Solaris. Fotografie 1973–2010</i>
Figge von Rosen Galerie, Cologne
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Walter Dahn
<i>Solaris. Fotografie 1973–2010</i>
Figge von Rosen Galerie, Cologne
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Walter Dahn
<i>Solaris. Fotografie 1973–2010</i>
Figge von Rosen Galerie, Cologne
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Walter Dahn
<i>Solaris. Fotografie 1973–2010</i>
Figge von Rosen Galerie, Cologne
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Walter Dahn
<i>Solaris. Fotografie 1973–2010</i>
Figge von Rosen Galerie, Cologne
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Am 16. Juli eröffnen wir die Ausstellung Walter Dahn, Solaris. Photographie 1973-2010. Die 18 Photoarbeiten, die ihren Weg aus seinem "Archiv" in die Situation des ausgestellten Kunstwerks gefunden haben, sind zwischen 1973 und 2010 entstanden, sie wurden alle erst kürzlich für die Ausstellung im Pigment Ink-Druckverfahren auf Bambuspapier in unterschiedlichen Formaten gedruckt.

Während Dahns Gemälde und Zeichnungen regelmäßig zu sehen sind, wurden Ausstellungen nur selten allein der Photographie gewidmet (zuletzt 2003 in der Galerie Elisabeth Kaufmann, Zürich, vorher unter anderem auch 1984 im Rheinischen Landesmuseum in Bonn). Dabei hält Dahn die verschiedenen Medien immer für gleichwertig. Die Photographien sind für ihn Versuche, Möglichkeiten, sich eine wirkliche Freiheit offenzuhalten auch dadurch, daß zunächst "alles falsch" erscheint, um dann eine Qualität sichtbar werden zu lassen. Aber eben keine Qualität, die modernistisch einem bestimmten Medium à la Clement Greenberg zuzuordnen ist, sondern die darüber hinausreicht und die Medien damit auflöst. Dahn überschreitet also – ganz in der Tradition des von seinem Lehrer Joseph Beuys geprägten "erweiterten Kunstbegriffs" – Mediengrenzen, strebt nicht nach technischer Perfektion – anders als wir es aus der deutschen, zeitgenössischen Photographie gerade auch der Düsseldorfer "Becher-Schule" kennen –, sondern beläßt das Bild als, wie er es nennt, "Baustelle". Dabei bleibt er dennoch, wie den Arbeiten abzusehen ist, einer sehr subjektiv zu verstehenden Idee von Qualität verpflichtet, die sich jedoch nicht ohne weiteres zu erkennen gibt, sondern durch genaues sehen und analysieren herausgeschält und erspürt werden will. Er versucht also, anders gesagt, Freiheit zu zeigen und zugleich genau den Punkt zu treffen, und Solaris erlaubt uns, ihn auf dieser sensiblen Suche zu begleiten.

Seine erste künstlerische Photographie, Filmanfang (Tisch), scheint sehr privat zu sein, sie zeigt den heimischen Küchentisch. Zugleich dient ihm ein "Fehler", der Anfang des Films, auch als Startpunkt, als Beginn seines persönlichen Films, zu photographieren. Schließlich aber ist diese Arbeit formal höchst präzise, das Werk entsteht in der Auswahl genau dieses Bildes vom Küchentisch und dem Fehler, eine harmonische, mondrianeske Konstellation mit einer Vielfalt von Grautönen. Auch die nächste Arbeit in unserer Ausstellung, Kein Vulkan (Werk und Wolke) ist nur scheinbar ein Schnappschuß aus dem Tessin, geschossen während einer Urlaubsreise Dahns und seiner Familie. "Scheinbar" Schnappschuß deshalb, weil die gefundene Situation aus frühen Jahren in einem späteren Akt der Auswahl und Betitelung mit feiner Ironie in Bezug zu A.R. Pencks Zeitschrift Krater und Wolke gebracht wird. Solche Verweise auf die Kunst- oder Menschheitsgeschichte finden sich immer wieder (Der Blossfeldt, Haus oder Kleiner Helfer), sie können – gemeinsam mit der Ironie – als wiederkehrendes Element bezeichnet werden. Und wieder andere Arbeiten, so auch das zentrale L'enfant sauvage, können im weitesten Sinne als Selbstportraits gelesen werden: das BTR-T-Shirt mit Bruce Springsteens Songtext "Tramps like us, Baby, we were born to run", oder Iguana Rock'n Roll oder Unterwegs.

"Solaris" ist eine alte Kleinbildfilmmarke aus der DDR, deren mindere Qualität Dahn für seine eigenen Bilder entgegenkam. Solaris heißt aber natürlich auch der titelgebende Planet in Stanislaw Lems berühmten Roman und Andrei Tarkowskis Verfilmung und dort – auf dem Planeten – gelten eigene physikalische Gesetze. Solche Gesetze kann Dahn zwar nicht bilden, aber er schafft sich mit seinen assoziationsreichen, formal besonderen und unerwarteten Bildern seinen eigenen Planeten der Photographie. Dieser Planet ist von dem, was wir sonst als Photographie kennen, Lichtjahre entfernt.

Für mehr Informationen oder Abbildungen wenden Sie sich bitte an die Galerie.

Wir danken Sprüth Magers für Ihre Unterstützung.

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While Dahn's paintings and drawings have been shown regularly, exhibitions dedicated to photography have been shown rarely (latest in 2003 in the Galerie Elisabeth Kaufmann, Zürich, before that also in the Rheinisches Landesmuseum in Bonn in 1984). However, Dahn considers all media always equally valid. The photographs are for him attempts to keep open the possibilities of a true freedom by seemingly making "everything wrong" in the first step and by making visible a quality in the second step. But no quality that can be – in a modernist way, like Clement Greenberg tried to do – assigned to a specific artistic media, but a quality that goes beyond the borders of media, dissolving them in this process. Thus, Dahn is – being a true student of his former teacher Joseph Beuys and his "erweiterter Kunstbegriff" ("expanded concept of art") – transgressing the narrow corset of the media. And he is not longing for technical perfection – different from that what we know from the German, contemporary photography of the Dusseldorf "Becher-school" –, but leaves the images as a, as he calls it, "construction site". Still, he is committed to a very subjective idea of quality, as one can see in his works, a quality that is not obvious, but that can be perceived by scrutinizing and analyzing. Dahn is trying to show us freedom and to hit the mark, and Solaris permits us to accompany him on this sensible journey.

His first art-photography, Filmanfang (Tisch)/Beginning of the Film (Table), seems to be very private, it shows a table in his kitchen. At the same time, a "mistake", the beginning of a filmrole, serves as a starting point, as the initiation of his personal film to take photos. Finally, this work is on a formal level extremely precise, the piece comes to live through the choice of exactly this image of the kitchen table and the mistake: a harmonic, mondrianesque constellation in a large diversity of greys. Also the next work in our exhibition, Kein Vulkan (Werk und Wolke)/No Volcano (Work and Cloud) is only seemingly a snapshot from Ticino, shot during a vacation with his family. "Seemingly" a snapshot, because the found situation of earlier years has been connected with subtle irony in act of choice and naming to A.R. Penck's magazine Krater und Wolke/Crater and Cloud. Such references to the art history or the history of mankind can be found frequently (e.g. Der Blossfeld/The Blossfeld, Haus/House, or Kleiner Helfer/Little Helper). They can be – together with the irony – considered as a recurrent element of Dahn's photographs. And other works, as for instance the central piece L'enfant sauvage, can be read as self-portraits: the BTR-T-Shirt with Bruce Springsteen's lyrics "Tramps like us, Baby, we were born to run", or Iguana Rock'n Roll, or Unterwegs/On the Road.

"Solaris" was a 35-mm-film-brand in the former GDR. Dahn considered its minor quality as useful for his own works. However, Solaris is also the name of the planet that gave Stanislaw Lem's famous novel and Andrei Tarkowski's film adaption their title. And their, on the planet, particular physical laws are effective. Such laws cannot be created by Dahn, but he creates with his unexpected images that are full of associations and formally distinctive his own planet of photography. This planet is lightyears away of what we usually know as photography.

For more information and / or images please contact the gallery.

Special thanks to Sprüth Magers.