Florian Schmidt
<i>Affinities</i>
Installation view
Florian Schmidt
<i>Untitled(Skip)12</i>, 2015
Acrylic medium, vinyl, cardboard, primed canvas, wood
44 x 31 x 21 cm
Base: 123 x 42 x 30 cm
Florian Schmidt
<i>Affinities</i>
Installation view
Florian Schmidt
<i>Untitled(Community)73</i>, 2014
Lacquer, vinyl, cardboard, wood
33 x 24 cm
Florian Schmidt
<i>Untitled(Community)81</i>, 2015
Lacquer, vinyl, cardboard, wood
33 x 24 cm
Florian Schmidt
<i>Untitled(Community)87</i>, 2015
Lacquer, vinyl, cardboard, wood
33 x 24 cm
Florian Schmidt
<i>Untitled(Community)88</i>, 2015
Lacquer, vinyl, cardboard, wood
33 x 24 cm
Florian Schmidt
<i>Affinities</i>
Installation view
Florian Schmidt
<i>Untitled(Digue)14</i>, 2015
Acrylic medium, lacquer, vinyl, cardboard, wood shavings, wood
210 x 170 cm
Florian Schmidt
<i>Affinities</i>
Installation view
Florian Schmidt
<i>Immunity</i>, 2013
Acrylic medium, lacquer, vinyl, cardboard, wood
240 x 240 cm (Diptych)
Florian Schmidt
<i>Affinities</i>
Installation view
Florian Schmidt
<i>Untitled(Concurrent)05</i>, 2015
Acrylic medium, lacquer, vinyl, cardboard, canvas, wood
110 x 74 x 25 cm
Florian Schmidt
<i>Affinities</i>
Installation view
Florian Schmidt
<i>Untitled(Concurrent)06</i>, 2015
Acrylic medium, lacquer, vinyl, cardboard, canvas, wood
110 x 74 x 25 cm
Florian Schmidt
<i>Untitled(Concurrent)04</i>, 2015
Acrylic medium, lacquer, vinyl, cardboard, canvas, wood
110 x 74 x 25 cm

Affinities, also Geistesverwandtschaften, prägen natürlich das Œuvre eines jeden Künstlers. Die Frage ist bloß, wie evident diese Nähebeziehungen sind oder wie intensiv man nach Ihnen suchen muß. Dennoch ist der Titel Affinities im Zusammenhang mit Florian Schmidts Arbeiten, denen wir in Köln erstmalig eine Einzelausstellung widmen, sinnträchtig und zwar deshalb, weil in dieser besonders postulierten Affinität eine Aufforderung an den Betrachter zu sehen ist, die Unterschiede zwischen den einzelnen Werkgruppen zu erkennen und die Gemeinsamkeiten aktiv zu suchen und dann zu verstehen, daß es vor allem um eine konzeptuelle Basis geht, die sich auf ganz verschiedene Art und Weise materialisiert.

"Materialisierung" ist ein Stichwort, das aufzugreifen sich lohnt. Die Werkgruppe der Arbeiten, die mit Untitled(Community) betitelt sind, ist eine Folge von 16 kleinformatigen "Bildern". Sie entstehen seit 2010 und können als minimierte Essenz der Arbeit von Florian Schmidt (*1980, Raabs/Thaya) angesehen werden. Alle Elemente, die sein Œuvre ausmachen, sind in ihnen enthalten. Dazu zählt schon die Frage, ob man überhaupt von Bildern sprechen kann. Denn weder handelt es sich um eine Abbildung, noch sind es gemalte Leinwände (und als solches als Bilder – im Unterschied zu Skulpturen – zu bezeichnen). Vielmehr sind es zweidimensionale Kompositionen aus Elementen aus Karton, die auf einen hölzernen Rahmen aufgebracht sind. Das Format der Arbeiten ist für Schmidt die kleinstmögliche Form, noch ein funktionierend komponiertes Werk zu schaffen. Die ursprüngliche Form des ersten für eine solche Arbeit verwandten Karton-Elements – in der Regel Reste, die bei der Produktion anderer Werke übrig geblieben sind und vom Künstler in einen Recycling-Prozeß eingebracht werden –, diktiert die For-men der weiteren Elemente. Dreht man so ein Bild um und betrachtet seine Rückseite, ist zu erkennen, daß es keine Leinwand gibt, auf die die Elemente appliziert sind. Die Ele¬mente selbst, ihr Material, sind also konstituierend für das Objekt "Bild" und genauso für die am Ende doch malerisch gedachte Komposition. Malerisch ist die Komposition nicht zuletzt auch, weil es sehr feine Unterschiede zwischen den Methoden gibt, die Farbe zu applizieren. Mal ist es ein fast plakativer Farbauftrag, flächig und eher unstrukturiert, mal lassen sich der Pinselstrich und seine unterschiedlichen Dynamiken nachvollziehen, und mal – in späteren Beispielen vor allem – sind es lasierend aufgetragene, stark verdünnte Farbschichten, die oft auch mit dem Schwamm wieder abgetragen werden.

Bei den skulpturalen Arbeiten Untitled(Skip) verhält es sich, wie es scheint, umgekehrt: Eine dreidimensionale, sehr klar, fast geometrisch gegliederte Struktur aus weiß gestrichenen Holzleisten schafft Sockel und Rahmen für ein in drei Dimensionen ausgebreitetes Bild. Dieses Bild, bestehend aus einem Standartrahmen aus dem Künstlerbedarfshandel in ebenfalls sehr kleiner Größe, ein Rahmen, wie ihn Florian Schmidt für seine eigenen Arbeiten nie verwenden würde, ist durch beherzte Schnitte in den Keilrahmen zu einem skulpturalen Objekt geworden. Die Leinwand wird gebogen und schafft so die sphärische Basis für ein aus schwarzem Karton bestehendes, abstraktes, aus der Zweidimensionalität herausdrängendes Gebilde, das entfernt an Skulpturen von Naum Gabo, den russischen Konstruktivisten, oder an den Merz-Bau von Kurt Schwitters erinnert. Zugleich, und das hat sicher auch mit dem "Portrait"-Format, dem Hochformat im Rah-men zu tun, suggerieren die entstehenden Formen Gesichter, so daß ein zartes Element von Narration und Figuration in die Rezeption einfließt. Der für diese Werke verwendete Karton ist allerdings nicht weiter, zum Beispiel farblich, behandelt als durch die Schnitte, die ihn in Form brachten.

Figuration ist auch das Stichwort für die Arbeit Untitled(Digue)14, deren Farbton unbestimmbar ist, deren Form aber inspiriert ist von Kaianlagen und dem Meer, das Schmidt anläßlich eines Residenzprogrammes in Marseille (2013) erleben konnte. Das aufeinanderstoßen von weichen, sich anpassenden Formen und harten, definierenden Elementen, waren für Schmidt, den man getrost als Materialanalysten beschreiben kann, interessant. Und wieder spielt das vorgefundene Material, das Schmidt seinem schier unerschöpflichen Fundus im Atelier entnimmt, eine entscheidende Rolle. Das gilt zum einen für die Holzelemente, die den Rahmen (die Kaianlagen) bilden, das gilt aber auch und vor allem für die die Fläche definierenden Sägespäne, die er über Jahre sammelt und mit Farbe mischt. Der Farbton selbst ist das Resultat einer vielschichtigen Lasur mit stark mit Wasser gemischten Pigmenten. So schimmern eigentlich unverwandte Farbtöne durch die letzte Schicht und schaffen ein unergründliches Changieren zwischen Violett und Blau.

Die in diesem Jahr erstmalig entstandenen Arbeiten Untitled(Concurrent) bringen Malerei, farbige Komposition und die Vielschichtigkeit von Flächen in verschiedenen Farbtönen noch intensiver in Verbindung mit einer räumlichen Struktur. Auf der Basis einer klassischen, monochromen Leinwand entsteht ein komplexes Beziehungsgefüge aus frontal gesehenen oder in die Tiefe reichenden Flächen. Der so entstandene Farbraum verlangt dem Betrachter ein sehr genaues Sehen ab. Nur dann lassen sich die Raumschichten auseinander halten.

Eine noch nicht angesprochene Eigenschaft von Schmidts Werken läßt sich gut an Immunity zeigen. Wie viele seiner anderen Arbeiten kann man sich nämlich auch Immunity quasi endlos ausgedehnt vorstellen. Eine Begrenzung / Definition des Bildraums, der sich auf die tatsächlich gegebene Fläche beschränkt, ist zwar vorhanden. Die Komposition, die auf den Bastelvorgang des addierens von vorgefundenen Elementen zurückgeht, ist aber nicht zwingend auf diesen Raum beschränkt, sie läßt sich als entgrenzt, undefiniert vorstellen.

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Affinities are naturally characteristic for every artist's œuvre. It only has to be defined how evident these affinities are or how intense one has to search for them. However, to talk about Affinities in the context of Florian Schmidt's work, that we show for the first time in a solo exhibition in Cologne, still makes sense. Because with the particular postulation of a close relation between the works the viewer is asked to understand the dif-ferences between the different groups of work and to look actively for communities (another title that play a role in Schmidt's world) and thus to understand that his œuvre is governed by a conceptual basis that materializes in very different ways.

"Materialization" is a catchword that is worth to be taken up. The group of works that are indeed titled Untitled(Community) consists of 16 small "paintings"/"images". They have been done since 2010 and can be seen as the minimized essence of what constitutes the works by Florian Schmidt (born in 1980 in Raabs/Thaya, Austria). All elements that condition his œuvre are contained in these pieces. Part of this is the question whether one can talk of paintings or images. Because they are neither depictions of something, nor are they painted canvases (and thus differing from sculptures). They are rather two-dimensional compositions of elements of cardboard that have been applied on a wooden frame. The size of these works is the smallest that Schmidt considers feasible for compo-sing a functioning work. The shape of the first piece of cardboard used for one of these works – normally left overs that are the result of an earlier production process and that are recycled by the artist – defines the shape of the other pieces that constitute the work. If one turns around such a work and takes a look at its back one sees that there is no can¬vas on which the elements have been applied. The elements itself, their material, is constitutive for the resulting object (the "painting") and also for the composition that is, in the end, still considered being painterly. The composition is painterly in the sense that there exist delicate differences of how the color is applied. Sometimes it is a very bold way, rather planar and not structured, sometimes the brush stroke and its different dynamics can be read, and sometimes – mostly in the later works – the translucent color is worked on and taken away with a sponge.

The sculptural works Untitled(Skip) seem to function the other way around: a three-dimensional, very clearly, almost geometrically structured construction of white wooden slats creates a base and a frame for an image that spreads out in three dimensions. This image, consisting of a standard frame from an artist supply store, again in very small size. This frame would never be used by Schmidt without transforming it. He cut it on its back side several times, bend it and creates a sphere that is used as a base for a construction of black cardboard that somewhat resembles sculptures by the Russian artist Naum Gabo or the Merz-Bau by Kurt Schwitters. In the same time, this construction suggests faces, which certainly also has to do with its portrait format. A slight narrative and figurative element comes up. The cardboard used for these pieces has, however, not been treated besides having been cut.

Figuration is the keywork for Untitled(Digue)14. Its color cannot be clearly defined. Its form is inspired by piers and the water, that Schmidt could experience when he lived in Marseille as the recipient of a residence program in 2013. The clash of the soft, adaptable forms and the hard elements where interesting for Schmidt who can – by the way – be called an analyst of material. And again, the material that Schmidt found amongst his almost inexhaustible supply in his studio plays an important role. That is evidently true for the wooden elements, the frame that create the "piers". But that is also true for the wood shavings that have been collected by Schmidt over the years and that have been mixed with pigments. The color itself is the result of a multiplicity of layers of color pigments dissolved with large amounts of water. Thus, normally unrelated tones shim-mer through the last layer and create the oscillation between blue and violet.

This year has brought up the group Untitled(Concurrent). The works of this group combine paintings, color composition and a multiplicity of layers in different tones with a spatial structure. Schmidt has used an ordinary, monochrome canvas for creating a complex set of relations of frontally seen planes that can be seen also as spatial elements. The color space thus created asks the viewer to take a very close look. Only under this condition the different layers in the space can be discerned.

One more property of Schmidt's works can be exemplified very well when one looks at Immunity. Because also this work, as many others of his œuvre, can be imagined as being an endless composition, as expanding endlessly into space.

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