Markus Huemer
<i>Ich habe zwar keine Lösung, aber ich bewundere das Problem </i>
March 10 – April 28, 2018
Installation view
Markus Huemer
<i>Ich habe zwar keine Lösung, aber ich bewundere das Problem </i>
March 10 – April 28, 2018
Installation view
Markus Huemer
<i>Es ist unmöglich, sich die Nase zuzuhalten und dabei länger als drei Sekunden "Mhhhhh" zu sagen</i>, 2014
Oil on canvas
30 x 80 cm
Markus Huemer
<i>Ich habe zwar keine Lösung, aber ich bewundere das Problem </i>
March 10 – April 28, 2018
Installation view
Markus Huemer
<i>Zwei Schweine im Bett, das finde ich ok</i>, 2014
Oil and pencil on canvas
40 x 30 cm
Markus Huemer
<i>Die Wissenschaft vom Küssen heißt Philematologie</i>, 2016
Oil on canvas
240 x 690 cm
Markus Huemer
<i>Ich habe zwar keine Lösung, aber ich bewundere das Problem </i>
March 10 – April 28, 2018
Installation view
Markus Huemer
<i>Ich habe zwar keine Lösung, aber ich bewundere das Problem </i>
March 10 – April 28, 2018
Installation view
Markus Huemer
<i>Wenn man kranke Kühe isst, kriegt man ISDN</i>, 2012
Oil on canvas
80 x 60 cm
Markus Huemer
<i>Es ist verboten, Außerirdischen Botschaften zu senden</i>, 2014
Oil on canvas
80 x 60 cm
Markus Huemer
<i>Ich habe zwar keine Lösung, aber ich bewundere das Problem </i>
March 10 – April 28, 2018
Installation view
Markus Huemer
In Frankreich ist es verboten, einem Schwein den Namen 'Napoleon' zu geben</i>, 2016
Oil on canvas
60 x 80 cm
Markus Huemer
<i>Dass andere anders sind, anders denken, anders handeln, ist nur halb so schlimm wie die Tatsache, dass sie überhaupt denken</i>, 2017
Oil on canvas
160 x 120 cm
Markus Huemer
<i>Ich habe zwar keine Lösung, aber ich bewundere das Problem </i>
March 10 – April 28, 2018
Installation view
Markus Huemer
<i>Una certa idea (ma non tanto che basti)</i>, 2002
Video installation (DVD, DVD player, projector, metal)
Variable dimensions
Unique (plus 1 AEP)
Installation view
Markus Huemer
<i>Hätte auch wieder ein gelungenes Bild werden können</i>, 2006
Video installation (DVD, DVD player, projector)
Variable dimensions
Unique (plus 1 AEP)
Installation view

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Wir eröffnen am 9. März 2018 um 19 Uhr mit Ich habe zwar keine Lösung, aber ich bewundere das Problem unsere erste Einzelausstellung mit Markus Huemer.

Huemer (*1968 in Linz, lebt und arbeitet in Berlin) hat zunächst in Linz an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung und danach in Düsseldorf an der Kunstakademie studiert und war Fellow an der KHM in Köln und Artist in Residence am ZKM in Karlsruhe. Er hatte zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen (auch) in deutschen Galerien und Institutionen. Gleichwohl ist sein letzter größerer Auftritt im Rheinland etwas her und umso mehr freuen wir uns, mit Hätte auch wieder ein gelungenes Bild werden können und Una certa idea (ma non tanto che basti) zwei frühere Medienkunst-Arbeiten sowie neuere Gemälde, die alle mehr oder minder architektonischen Topoi gewidmet sind, zeigen zu können. Zwischen den Gemälden und den Medienkunst-Arbeiten besteht ein korrelatives Wirkungsverhältnis.

Die titelgebende Feststellung einer Computeranimation, daß etwas ein gelungenes Bild hätte werden können, und das gelegentliche Scheitern daran, ein gutes Bild zu machen, dürfte fast allen MalerInnen bekannt sein. Hier aber wird aus dem alltäglichen Vorgang eine grundsätzliche Frage zur Entstehung des Bildes und zur Erwartungshaltung an mediale Kunst. Denn wollten wir die Arbeit in Gänze sehen, wären wir als Betrachter gezwungen, über 40 Stunden auszuhalten und zu erleben, wie Punkt für Punkt, Farbfleck für Farbfleck digital gesetzt werden, wie eine neue artifizielle und konstruierte Welt entsteht. Entsprechend sehen wir am Anfang der Arbeit nichts und quasi nichts und dann immer mehr schwarze, fleckige Bereiche. An einem nicht definierbaren Punkt meint man dann, es ließen sich Formen und Figuren erkennen. Aus dem nichts des Anfangs wird nicht nur (projizierte, vermeintliche) Farbmasse, sondern werden scheinbar lesbare Formen. Anders als das im Zweifel in der Regel gegeben ist, ist der "Farbauftrag" aber nicht flächig oder orientiert an Linien (und damit eher schnell), sondern eine kontinuierliche Addition von mutierten Pixeln (die Mutation geht von Weiß zu Schwarz). Gegen Ende kommt dann die volle Enttäuschung zum tragen: statt uns – wie der Prozeß suggeriert – zu einem Bild zu führen, sehen wir mehr oder minder abstrakt bleibende Formen – eher eine Erinnerung an etwas und eben kein Bild im Sinne von realitätsgetreues Abbild mit narrativer Kraft. Was weiß geblieben ist, könnten Bäume eines Waldes sein, Reproduktionen von Realität, mit den schwarzen Zonen als Schatten. Aber: genau dieser Konditionalis, etwas könnte etwas sein, ist es aber nicht sicher, also: genau diese Unklarheit ist letztlich das, worauf Huemer (auch in seiner Malerei) hinauswill. Alle Klarheiten beseitigt, alle Erwartungen werden enttäuscht, alle Sicherheit als trügerisch entlarvt.

Ähnlich verhält es sich mit Una certa idea (ma non tanto che basti), der zweiten Medienarbeit der Ausstellung: hier wird – mit Bezug auf Raffael und die Vorstellung der Renaissance, es handele sich bei Kunst nicht um ein Handwerk, sondern vielmehr um den auf Zeichnungen beruhenden Ausdruck einer Idee – die Idee von einem Bild gezeigt, bzw. das, was als eine faktische Grundlage für die Visualisierung der Idee eines Bildes dienen kann: eine weiße Fläche. Aber Achtung, die weiße projizierte Fläche des Bildes entspricht nicht der weißen Fläche der Leinwand, sondern sie ist schon ein mit erheblichem Datenmaterial generiertes Bild (also eine Idee von einem Bild). Das, was in der Welt der Medien dem Nichts der unbemalten Leinwand entspräche, wäre vielmehr eine blaue Fläche. "Kaum," so heißt es bei Elisabeth Fiedler (Museum Joanneum, Graz), "denkt man, ein Sujet erkannt zu haben, ein Narrativ verorten zu können, ist man bereits in der Falle."

Was also dargestellt wird und welchen Wirklichkeitsgrad diese Darstellung hat, bleibt unklar. Zwar nähern sich riesige Großformate, wie zum Beispiel das Gemälde Die Wissenschaft vom Küssen heißt Philematologie aus unserer Ausstellung, einer eins-zu-eins Gleichstellung im Format zwischen dem (vermeintlich) Dargestellten (Tunnel) und dem Darstellenden (bemalte Leinwand) an, so daß man kaum mehr nur von einer repräsentierenden Abbildung sprechen möchte. Aber dann läßt sich feststellen, daß Huemer "in einer Art Überhöhung [des] Postulats [der Unsinnigkeit des Abbildungsglaubens oder -ansinnens] [mit] dem großformatigen [Bild verdeutlicht] daß dem Ersehnten nicht entsprochen wird. Denn es handelt sich nicht nur um eine durch Computer errechnete Landschaftsstruktur, die trotz ihrer Dimension ihr Versprechen auf Abbildhaftigkeit nicht einlöst. … Huemer führt uns mit Großformaten, die der Erwartung nach Realitäts-treue zu entsprechen scheinen, auf dünnes Eis. In Schwarz, Grau und Weiß Tiefenschärfen vorgebend, werden wir in eine lautlose Ideenlandschaft entführt, die narrationslos und kalt eine vorgespiegelte Wahrnehmung destruiert." (Elisabeth Fiedler).

Zwei Beobachtungen sollen dem noch hinzugefügt werden:

Zum einen zu den Titeln der Bilder. Regelmäßig korrelieren in der Malerei Titel und Darstellung miteinander. Man denke nur an das berühmte Bild Der Kuss von Gustav Klimt. Auf dem sehen wir, sehr verkürzt, ein Liebespaar (diesen Titel sollte das Gemälde zunächst haben), das sich küsst. Die Darstellung auf Huemers Bild Die Wissenschaft vom Küssen heißt Philematologie hat hingegen mit der in seinem Titel angesprochenen Handlung nichts zu tun und auch nichts mit der Philematologie. Also: Abbildung und Titel weichen zwar voneinander ab, der Titel selbst aber stimmt, es handelt sich um eine "richtige" Feststellung. Einmal mehr stellen wir fest, daß uns Huemer verunsichert und auf falsche Fährten führt. Das geschieht in anderen Bildern mal mit der Darlegung vermeintlich existierender Regeln und Gesetze (Es ist verboten, Außerirdischen Botschaften zu senden oder In Frankreich ist es verboten, ein Schwein Napoleon zu nennen), mal unter Bezugnahme auf pseudo-wissenschaftliche Erkenntnisse (Kaffee-Trinker haben öfter Sex als Nicht-Kaffeetrinker) oder mal mit der Verdrehung von Redewendungen (Wir pfeifen nicht nach Ihrer Tanze). Nie beziehen sich der Text des Titels und das, was dargestellt zu sein scheint, aufeinander.

Zum anderen werden wir durch das Licht, das wir in einigen der Exponate am Ende des Tunnels sehen, an eine andere Redewendung erinnert. Entsprechend könnten wir versucht sein, die Gemälde als Darstellung der Redewendung zu verstehen. Wieder aber müssen wir feststellen, daß das, was wir sehen, gar keine Abbildung des Ortes, dessen Abbildung suggeriert wird, ist. Vielmehr schauen wir auf pixelartige, flache Farbflächen, die immer haarscharf an der Darstellung vorbeischrammen – und zwar unabhängig davon, wie viel tatsächlichen und kognitiven, jedenfalls erhellenden Abstand wir gewinnen. Was wir aber sehen, ist die Differenz zwischen Hell und Dunkel, wir sehen also einen Verweis im Bild auf das Thema Licht und dieses wiederum ist Bedingung für das Sehen schlechthin und für Malerei.

Zusammenfassend läßt sich sowohl für Markus Huemers "Kunst durch Medien" (ein Begriff, den Hans Ulrich Reck, KHM Köln, unter anderem auf ihn angewandt hat) als auch für seine Gemälde festhalten, daß es ihm um ein analytisches Zurückwerfen der Bildbetrachtung und des Verstehens der Kunst auf die eigenen und die besonders zeitgenössischen Medien geht. "Dem Medium des Leinwandgemäldes" wird, so Roland Nachtigäller (MARTA Herford), "eine Authentizität" abgerungen, "die allerdings nie wieder zurück zur Unschuld der ungebrochenen Begegnung mit der Welt" kann.

 

Für weitere Informationen und / oder Abbildungen wenden Sie sich bitte an die Galerie.

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We inaugurate on March 9, 2018 at 7 pm I Don't Have a Solution But I Admire the Problem, our first solo exhibition with Markus Huemer.

Huemer (*1968 in Linz, Austria, lives and works in Berlin) first studied in Linz at the University of Art and Design and thereafter in Düsseldorf at the Art Academy; in the following he was a Fellow at Cologne's Academy of Media Arts and an Artist in Residence at the ZKM in Karlsruhe. He had numerous solo and group exhibitions in German galleries and institutions. However, his last larger appearance in the Rhineland is quite some time ago. Thus, we are all the happier to be able to show with Could Have Also Been Another Successful Picture and Una certa idea (ma non tanto che basti) two earlier media-art pieces as well as newer paintings that are all more or less dedicated to architectural topics. The relation between the paintings and the media artworks can be described as correlative.

The declaration that gives the computer animation it's title, something could have become a good image, and the occasional failure to do a good image, is certainly known to almost all painters. However, in our case the daily frustration is transferred to a basic questioning of the making of the image and the expectations we have towards media art. Should we want to see the whole work, we would be constrained to endure over 40 hours and to experience how dot by dot, mark by mark would be digitally placed, in order to form a new artificial and constructed world. Accordingly, in the beginning of the work we do not see anything and almost anything and then more and more black, blotchy patches. At a moment that cannot be defined the viewer gets the impression that he can recognize forms and figures. The nothingness in the beginning is turned not only into a quantity of colors (that is only projected and not really there), but also in seemingly readable forms. In contrast to what happens normally in painting the "color application" is not done in a planar way or in lines (that is: rather fast), but a continuous addition of mutated pixels (the mutations being changes from white to black). Towards the end the full disappointment becomes effective: instead of leading us to an image – as the process suggests – we rather see forms that remain more or less abstract; rather a reminder of something and not an image in the sense of a depiction that is close to reality and has narrative power. What remained white could be trees of a forest, reproductions of reality, with the black zones as shadows. But: just this present conditional, something could be the case, but is not for sure, that is: just this uncertainty is what Huemer is up to (also in his painting). All clarity is eliminated, all expectations disappointed, all certainty is unmasked as treacherous.

The second media-work of the show, Una certa idea (ma non tanto che basti), functions in a comparable way: it shows – with a reference to Raffael and the notion of the Renaissance age that art is not craft but rather a concept that is expressed by drawings and works based on drawings – the idea of an image, that is, what can be considered as the factual basis for the visualization of the idea of an image: a white plane. But careful! The white plane of the projected image is not the same as the white plane of the canvas. It is rather an image that has been generated with a lot of data (we can think of it as an idea of an image). What, in the world of the media, would equal the nothingness of the unpainted canvas would be rather the blue projection. "As soon as we get the feeling that we have been able to recognize a subject, to place a narrative, we find ourselves in a trap." (Elisabeth Fiedler, Joanneum, Graz, Austria).

What is depicted and which grade of reality this depiction has, remains unclear. Admittedly, the gigantic canvases, like e.g. the painting The Science of Kissing is Called Philematology of our exhibition, are getting close to a par for par equalization – as far as regards the format – of what is (seemingly) depicted (a tunnel) and what is depicting (painted canvas) so that one is tempted to speak not only of a representational figuration. However, we can observe, that Huemer, "in a kind of exaggeration of the posit [of the rejection or rather elucidation of the senselessness of a belief in or requirement for representation], in the large-format he illustrates the fact that what we see does not correspond to what we are hoping for. In fact, what we are looking at is not just a landscapestructure calculated by a computer, which, despite its dimensions, does not live up to its promise of copying nature. … With large formats that appear to meet our expectations for conformity to reality, Huemer leads us onto thin ice. With the artist simulating depth of focus in black, gray and white, we are whisked away to a silent landscape of ideas which destroys our fake perception, coldly and without narrative." (Elisabeth Fiedler).

Two thoughts shall be added:

One is concerning the titles of the works. Typically, in painting the titles and the image correlate. One can just think of the famous painting The Kiss by Gustav Klimt. It shows, if one radically abridges, a pair of lovers (that was the original title of the painting) that is kissing. Contrary to Klimt's work, the depiction in Huemer's image The Science of Kissing is Called Philematology does not have to do anything at all with the activity addressed in the title and also nothing with philematology. Now, the depiction and the title deviate, but the title itself is a correct statement. Once again we notice that Huemer is making us unsure and that he is setting us on the wrong track. This is happening in other works either by explaining non-existent rules or laws (It is Forbidden to Send Messages to Extraterrestrials or In France, it is Forbidden to Name a Pig 'Napoleon'), or by referring to pseudo-scientific knowledge (Coffee-Drinkers Have More Sex Than Non-Coffee-Drinkers), or by wrenching the meanings of idioms (We Don't Whistle After Your Dance). The lines of the titles and what seemingly is the depiction are never related to each other.

The other thought regards the fact that the light that we see in some of the works at the end of the tunnel reminds us of another saying. Correspondingly, we could be tempted to understand the paintings as depictions of this saying. Again, however, we realize that what we see is not a depiction of a place that's depiction is suggested. We are looking instead on pixelesque, flat planes of colors that come within a whisker of depicting – rather independent of the enlightening distance (real and cognitive) we are able to gain. What we see is the difference between bright and dark, we thus see a reference to the topic of light and this (the light) is the condition for seeing in general and also for painting.

We can summarize that both, Markus Huemer's "art through the media" (a term used by Hans Ulrich Reck, KHM Köln, also for his work) as well as his paintings are driven by his interest in seeing and understanding art through its own media and in particular through the contemporary media. "Attempts were and still are made to wrest an authenticity from the medium of the canvas, which could however never revert to the innocence of a purportedly direct encounter with the world." (Roland Nachtigäller, MARTA Herford).

 

For further information and / or images, please contact the gallery.