Ulrich Rückriem
Salon des Oiseaux

 

March 8 – April 5, 2008

Am Freitag den 7. März 2008 um 19.00 Uhr eröffnen wir mit Salon des Oiseaux unsere zweite Ulrich Rückriem (*1938) gewidmete Ausstellung. Mit dem Salon des Oiseaux realisiert Rückriem ein zeichnerisches Konzept, dessen bildliches Resultat abstrahierte Vögel assoziieren läßt. In anderer Form wurde es schon an verschiedenen Orten, zuletzt im Museum Ludwig in Köln, gezeigt. Nun wird es erstmals auf einen gesamten Raum im etwa 6 x 12 m großen und etwa 3 m hohen Untergeschoß der Galerie bezogen. Das logisch strukturierte Konzept läßt sich nicht in nur 2 Sätzen zusammenfassen. Es ist daher dieser Presseerklärung als Anhang beigefügt.

Festhalten läßt sich jedoch, daß das Ergebnis eines zeichnerischen, mit mathematischer Präzision ablaufenden Prozesses meist eine dynamische, spitzwinkelige Form ist, die eben an Vögel denken läßt. Rückriem stellt sich vor, daß solche Formen – immer mit Bezug auf das Format des jeweiligen Bildträgers – an verschiedenen Stellen ausgeführt werden können, zum Beispiel auf Papieren, Wänden, Böden, Decken oder Fenstern, auf Leinwänden oder als Graphiken in Büchern. Die Formationen können schwarz und weiß oder auch farbig sein, genauso wie ei¬ne positive Form oder auch eine negative Form auf einem Grund abgebildet werden kann.

Im Salon des Oiseaux wird das Konzept weiter gedacht. Die Wände sind in jeweils 256 (= 16 x 16) Felder aufgeteilt, wobei sich in jedem einzelnen Feld eine Vogelformation befindet. Auf die Wände kommen die insgesamt 768 Felder als Tapete, die für diesen Raum produziert wurde – und für andere Räume in anderen, angepaßten Formaten produziert werden kann. Die Farben der Tapete sind Hellgrau und Weiß. Das Ergebnis ist ein im übertragenen Sinne flirrender Vogelschwarm, der scheinbar die Statik der Wände auflöst. So entsteht ein Effekt, der genau gegenteilig zu der Charakteristik von Rückriems bildhauerischem Œuvre ist, in dem er sich auf Raumgegebenheit bezieht und die Gesetze von tragen und lasten und andere mechanisch-physische Regeln im wahrsten Sinne des Wortes verkörpert.

Für Rückriem besteht der Reiz dieser Vögel eben gerade in der Befreiung von der Notwendigkeit, mit gewichtigem Material und in Auseinandersetzung mit gegebenen Orten und deren Sachzwängen umzugehen. Die Zeichnungen, die das auch für seine Skulpturen häufig prägende “Damenproblem” aufgreifen und insofern zugleich kontinuierlich fortsetzen, was er zuvor geschaffen hat, lassen sich von jeder beliebigen Person, an jedem Ort und ohne großen Aufwand erstellen. Sie haben, trotz aller ihnen inhärenten Mathematizität (Roland Barthes) und Prozeßtreue, eine von seinem bisherigen Œuvre stark abweichende Freiheit und Emotionalität, ein spielerisches Moment, das sich von der Strenge und Härte seines skulpturalen Werkes abhebt.

In einer zweiten Reihe Zeichnungen löst Rückriem sich sowohl von dem oben beschriebenen Konzept der Vögel, als auch von seiner konstruktiven Vergangenheit. Er setzt hier 7 Punkte auf eine jeweils unterschiedliche Anzahl transparenter Blätter im Din A4-Format und verbindet diese Punkte mit Linien. Sofern Felder entstehen werden diese mit Graphit koloriert. Das Resultat der freien, spontanen und insofern geradezu surrealistisch-unterbewußt zu bezeichnenden Setzungen sind überraschenderweise Formationen, die an Zeichnungen der russischen Konstruktivisten erinnern.

On Friday, March 7, 2008 at 7 pm we open with Salon des Oiseaux our second exhibition with Ulrich Rückriem (*1938). Rückriem realizes with the Salon des Oiseaux a concept of drawings. Its pictorial result reminds us of birds. It has been shown already in different forms, for instance in the Museum Ludwig, Cologne. However, it will be realized for the first time in a site specific way related to a whole space of approximately 6 by 12 m and 3 m height in the gallery. The concept is structured in a logical way. However, it cannot be resumed in just 2 sentences. Therefore, it is attached to this press release.

The result of the concept’s process that is developed with mathematicaI precision is mostly a dynamic, acute-angled form that reminds us of birds (French: oiseaux). Rückriem thinks that such forms shall be realized in different media such as on papers, walls, floors, ceilings, or windows, canvases, or printed in books. In any case, the forms have to be related to the format on which they are done. The forms can be black and white or done in colors, and they can be done with a positive or a negative form on the ground.

In the Salon des Oiseaux this concept is developed further: Each wall is covered with 256 (= 16 x 16) fields. Within each field one of the bird-forms is situated. These birds (768 in total) are applied to the walls with wallpaper that has been produced in particular for the space and that can be redone for other spaces. The colors of the wallpaper are light grey and white. The result is a vibrating flock of birds that seems to dissolve the static of the walls. That is an effect that is contradictory towards the characteristic of Rückriem’s sculptural œuvre where he relates his works to spaces and to the rules of supporting and carrying and where other mechanical-physical rules are truly embodied.

For Rückriem, the attraction of the birds is the liberation of the necessities to work with heavy material and the site-specificity. These drawings are continuous as far as regards his former work in the way they use the so-called 8-Queens-problem of chess. They are inherently mathematical and they follow a logical process. However, they can be done by any person, at any location and without too much of an effort. They are characterized by a liberty, and an emotionality, and a playfulness that is far away from the austerity and toughness of Rückriem’s sculptural œuvre.

We show, besides the Salon des Oiseaux, in our exhibition another series of drawings: This series of drawings is independent of the concept of the Oiseaux as well as of the constructive past of his sculptures. Rückriem places 7 points on 7 different transparent sheets in DinA 3-format – starting with the last sheet and continuing with the last but one etc. – and draws lines from one point to the other on the respective sheets. If this produces fields, they are colored with graphite or felt pen. The result of the free, spontaneous, and somewhat surrealistic way of placing the dots are – surprisingly enough – figurations that remind us of drawings of Russian constructivists.