Am 30. August 2007 um 21 Uhr präsentieren wir im Raum für Video vier Filme des in Helsinki lebenden, deutsch-finnischen Künstlerpaares Oliver Kochta-Kalleinen (*1971) und Tellervo Kalleinen (*1975). Complaints Choirs sind Chöre, die den Beschwerden der Bürger einer Stadt gewidmet sind. Ihr Titel ist eine direkte Übersetzung einer finnischen Redewendung ("Valituskuoro") mit der die gleichen Beschwerden einer Vielzahl von Menschen zusammengefaßt werden. Die wörtliche Übertragung der Redewendung in in der Öffentlichkeit auftretende Beschwerdechöre, ihre Organisation und ihre begleitende filmisch-künstlerische Dokumentation wurden von Kochta und Kalleinen erstmalig in 2005 in Birmingham durchgeführt. In 2006 schlossen sich Projekte in Helsinki, Hamburg-Wilhelmsburg und St. Petersburg an.

Um Teilnehmer anzusprechen, schalteten Kochta und Kalleinen Anzeigen und verteilten Flugblätter und Poster. Die Teilnehmer, die sich nicht notwendigerweise durch eine gute Stimme auszeichnen mußten, sollten zunächst ihre mal mehr, mal weniger gewichtigen Sorgen und Nöte artikulieren. Die Beschwerden betrafen zum Beispiel den öffentlichen Nahverkehr, die riechenden Mitfahrer darin, die Langsamkeit von Computern, den ewigen Geldmangel, den Bierpreis, penetrante Handyklingeltöne und generell Mitmenschen mit Fehlern aller Art. Daraus wurde, jeweils in Zusammenarbeit mit einem örtlichen Musiker, ein hinsichtlich Text und Melodie einfaches Lied komponiert. Der Auftritt und seine filmische Dokumentation ist ein musikalisches, kritisches, humorvolles und zum Lachen anregendes Ereignis.

Bemerkenswert ist die kulturelle Differenz zwischen den verschiedenen Orten der Beschwerden. Je nach Standort des jeweiligen Complaints Choirs dominieren ironische, kritische oder existenzialistische Töne. Gleichwohl sind uns die einzelnen Beschwerden der Teilnehmer wohlvertraut, man kann sich mit den Chören und ihren Teilnehmern identifizieren. Und damit gelingt Kochta und Kalleinen, wonach die Moderne nur zu oft vergeblich suchte: die Verbindung von Kunst und Leben. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch darin, daß sich inzwischen, nicht zuletzt dank der durch die Künstler iniziierten Webpage www.complaintschoir.org, aus den vier von ihnen Künstlern inszenierten Complaints Choirs eine Dynamik entwickelte, die zur unabhängigen Produktion und Dokumentation von bereits 9 weiteren Chören weltweit geführt hat – und weitere sind in Planung.

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On August 30, 2007 at 9 p.m. we present in our Raum für Video four films by the German-Finnish artist couple Oliver Kochta-Kalleinen (*1971) and Tellervo Kalleinen (*1975).
Complaints Choirs are choirs that are dedicated to the complaints of the people of a city. The title is translated from a Finnish expression that merges similar complaints of a number of people. The literal transfer of this expression into choirs performing publicly, their organisation and their accompanying filmic documentation has been done by Kochta and Kalleinen for the first time in 2005 in Birmingham. In 2006 the project was continued with choirs in Helsinki, Hamburg-Wilhelmsburg and St. Petersburg.

In order to contact possible participants, the artists placed ads and distributed flyers and posters. The participants, that not necessarily had to have a good voice, first were asked to articulate their sorrows and needs. The complaints regarded, for instance, the public transport, smelling co-travellers, the slowliness of computers, the price of bear, annoying cellphone ringing, and – in general – other people and their multiple mistakes. From the collection of complaints, a local musician composed the lyrics and a melody for a simple song. Its performance and the documentation is a musical, critical and ironical event that makes people laugh.

The cultural difference between the different places of complaints is particularly noteworthy. Depending on the city of the respective Complaints Choirs the aspect of irony, political criticism or existentialism is dominating the song. Still, we all know the single complaints of the participants and we are able to identify ourselves with the choirs and their singers. With that, Kochta and Kalleinen are achieving what Modernism was looking for in vain for years: the relation of art and life. The webpage www.complaintschoir.org, initiated by the artists, is a good proof of this relation. It led to a dynamical production of independently organized choirs in nine other cities – and more are planned.