Sarah Ortmeyer
<i>REKAPUTULATION</i>
Figge von Rosen Galerie, Cologne
Installation view
Sarah Ortmeyer
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Sarah Ortmeyer
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Am 22. Juni 2007 eröffnen wir um 19 Uhr die Ausstellung REKAPITULATION von Sarah Ortmeyer (*1980). Nach einem Studium für Freie Gestaltung an der HfG in Offenbach studiert Ortmeyer seit 2004 bei Wolfgang Tillmans und Simon Starling an der Städelschule in Frankfurt am Main und wird dort voraussichtlich 2008 abschließen.

Wir freuen uns, mit REKAPITULATION erstmals eine umfassende Ausstellung mit Werken Sarah Ortmeyers zeigen zu können. Mit verschiedenen Medien und Ansätzen abstrahiert sie Geschichte. So kombiniert sie Siebdrucktechnik mit Fotografien, füllt Vitrinen mit Objekten und schafft Installationen aus Ready Mades oder weißen Blättern. Ortmeyer erläutert in REKAPITULATION nicht, warum Tick, Trick und Track nach einem Wettbewerb gegen ihren Onkel Donald Duck einhellig erklären, daß sie "gelogen und betrogen haben" und "so was nie wieder machen", sondern vielmehr "immer brav sein werden". Und es geht ihr auch nicht darum, zu erklären, wie es gelingt, "sans compromettre votre santé perdre très vite des kilos en trop", auch wenn viele von uns an einem Diät-Ratgeber Interesse haben. Sie interessiert sich schließlich auch nicht für Heavier Than Heaven. The Fall of Kurt Cobain, obgleich dieses Buch "an intimate and profound retelling of Cobain's dual romance with Courtney Love and heroin" ist.
Sie greift aber in Ihrer Arbeit VOGUE MICKY MAUS PLAYBOY MAI 1968 OKTOBER 1977 SEPTEMBER 2001 auf Texte aus den genannten Zeitschriften, also aus den klassischen Printmedien für Frauen, Männer und Kinder zurück. Die Auswahl der Hefte ist durch Schlüsselmonate in der Geschichte Frankreichs, Deutschlands und den USA bestimmt. Ihr gesamter Text wurde von Ortmeyer unter Weglassung der Abbildungen exzerpiert, redaktionelles in Schwarz, Werbung in Rot. Dabei wurden sogar formale Eigenschaften, wie die Formate und Bindungen der jeweiligen Hefte, beibehalten. Verblüffend bleibt die Verständlichkeit der Inhalte, die herkömmlicherweise doch eigentlich gerade erst durch die (hier eliminierten) Bilder ihren Sinn erhalten. Die Phantasie des Rezipienten füllt die entstandenen Lücken, zum Beispiel, indem die Narration in Micky Maus durch vorgestellte Bilder illustriert wird. So wird die Anschaulichkeit der Sprache durch den Bildermangel unterstrichen. Statt nun aber ein Spiegel der Zeitgeschichte zu sein, ist von den historischen Ereignissen in den Texten kaum etwas zu spüren. Die Arbeit ist also eine eher symbolische und poetische Referenz an die die Welt bestimmenden Monate, für die in der Vitrinenarbeit nicht nur die Exzerpte, sondern auch die Originalzeitschriften stehen.

In Umkehrung zu dem Prinzip, allein die Texte stehenzulassen, eliminiert Ortmeyer in der Arbeit DIE ALLIIERTEN sämtliche Texte der Seiten von The Guardian, Le Monde, Prawda und The New York Times vom 3. Oktober 1990 und läßt nurmehr die Bilder sprechen. Der Tag der Deutschen Einheit wird auf diese Weise mit Bildern aus wichtigen Tageszeitungen der Alliierten des II. Weltkriegs repräsentiert. Wiederum ist es der Entzug von für das jeweilige Medium grundlegender Information, der die Poesie des Werks entstehen läßt und zugleich die Relevanz dessen, was entfernt wurde, in Frage stellt. Was kann von der Stimmung in den Ländern der Alliierten verstanden werden, wenn nur die Bilder sprechen, und – schließlich – wie wirken die körnigen Bilder ohne ihren begleitenden Text? Überdies zeigt in der Arbeit DIE ALLIIERTEN das, was verblieb, nachdem sie die Flaggen der Alliierten von allem befreite, was nicht rot war. Auch hier führt die Reduktion zur Bewußtmachung historischer Gegebenheiten, zum Beispiel, wenn die sowjetische Flagge nahezu unverändert lesbar bleibt oder wenn von der des britischen Empires lediglich die für England und Irland stehenden Streifen stehen bleiben und dadurch klar wird, daß es eine Nationalflagge für ein Staatenkonglomerat ist.

Auch in EDITION S. wird Geschichte abstrahiert rekapituliert. Hier ist es die Geistesgeschichte der Bundesrepublik, die im Vordergrund steht. In dem Ortmeyer epochale Bücher aus der besonders die 60er und 70er Jahre prägenden edition suhrkamp, wie zum Beispiel Ludwig Wittgensteins Tractatus logicus-philosophicus und Peter Weiss' Rapporte 2 oder Theodor W. Adornos Drei Studien zu Hegel und Walter Benjamins Zur Kritik der Gewalt in zwei Teile zerschneidet und die Hälften so zusammenfügt, daß auf den Titelseiten sowohl neue Autoren, als auch neue Titel entstehen, schafft die Künstlerin einen Remix, und damit eben eine Rekapitulation dessen, was die geistigen Diskurse in unserem Land über Jahre geprägt hat.

Während diese Arbeiten einen historischen Rückblick auf deutsche und internationale Geschichte leisten, handelt es sich bei der mit einfachsten Mitteln geschaffenen Installation KAPITALISMUS+KRIEG KRIEG+KAPITALISMUS um eine zeitlose Kritik am Kapitalismus und seiner Verstrickung in Kriege. Denn auf einem Monopoly-Spielfeld laufen die Soldaten des Schachbretts auf, während das strategische Schach durch die Figuren und Elemente aus dem Monopoly-Spiel korrumpiert wird.

Allen Werken aus der Ausstellung ist gemeinsam, daß sie Selbstverständlichkeiten still in Frage stellen. Im unwissenschaftlichen Rückblick auf historische Gegebenheiten werden Dinge paradoxerweise deutlich, die wissenschaftlich nicht gedacht werden können. Ortmeyer verschiebt den Blickwinkel des Betrachter und eröffnet ihm so eine neue Sicht auf die Welt und ihre Geschichte

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June 22, 2007 from 7–9 pm will mark the opening of the exhibition REKAPITULATION with works by Sarah Ortmeyer (*1980). Since 2004, after she completed her studies at the HfG in Offenbach, Ortmeyer has been studying with Wolfgang Tillmans and Simon Starling at the Städelschule in Frankfurt on Main with plans to graduate in 2008.

With REKAPITULATION, we have the honor of presenting the first comprehensive exhibit of Sarah Ortmeyer's work to date. Through assemblages in various media, Ortmeyer abstracts upon elements of history. This variation in form ranges from combining silk screen with photography to displaying objects in casings to creating installations from ready mades or out of blank pages.

In REKAPITULATION Ortmeyer does not comment on why Huey, Dewey, and Louie after a competition against their uncle Donald Duck collectively confess that they "gelogen und betrogen haben" and will "so was nie wieder machen", and instead "immer brav sein werden". She does not stop to explain why it works "sans compromettre votre santé perdre très vite des kilos en trop”, even when some of us may be interested in this dieting advice. She does not concern herself with Heavier Than Heaven: The Fall of Kurt Cobain, even if the book is "an intimate and profound retelling of Cobain's dual romance with Courtney Love and heroin". However in her work, VOGUE MICKY MAUS PLAYBOY MAI 1968 OKTOBER 1977 SEPTEMBER 2001, she appropriates the complete text of these magazines, and thereby samples the classics of print media for women, men, and children. Her selection of magazine issues is determined by key moments of recent French, German and American history. Ortmeyer has excerpted these texts, omitting images, printing all copy in black, advertisements in red. She has maintained certain other formal qualities of the magazines as well, like their format and binding. Intriguingly the contents remain intelligible even without the pictures that are typically thought of as being responsible for the transmission of meaning in such works. The imagination of the observer is left to fill any resulting gaps, for example, in the way the narration in Mickey Mouse would be illustrated through accompanying drawings. The clearness of the language is, by the absence of images, emphasized. Instead of being a reflection of the events of the time, however, there is hardly any hint of the historical context of the texts to be perceived. The work is therefore more a symbolic and poetic reference to the world during those moments, which in the displays not only the excerpts but the magazines themselves represent.

In a reversal from the principle of letting the text stand alone, Ortmeyer in her work, DIE ALLIIERTEN, leaves only the images from the front pages of The Guardian, Le Monde, Prawda and The New York Times from October 3rd, 1990 to speak for themselves. In this manner, the day marking the reunification of Germany is represented through the photographs the most important daily papers from each of the Allied Powers of World War II chose to show. Once again is the removal of what would typically be considered the most crucial part of a particular document responsible for revealing a concealed poetry behind the work, and even able to cast the relevance and necessity of the omitted material into doubt. What can be understood about the mood in the individual allied countries with only images to use for interpretation, and – finally – how can the images themselves be understood without their accompanying texts? Ortmeyer added to the newspapers in the work DIE ALLIIERTEN what remains after she removed everything not red from the flags of each of these countries. Here, also, the reduction leads to a new awareness of certain historical conditions, such as when the Soviet flag is left practically unaffected by the change or when the stripes representing Ireland and England are what remain of the flag of the British Empire emphasizing the fact that the flag itself belongs to a conglomerate of states.

In EDITION S. historical narratives are also abstractly recapitulated. Here the intellectual history of the German Republic stands in foreground. By cutting the epoch-making, edition suhrkamp books of the 60s and 70s – for example, Ludwig Wittgenstein's Tractatus logicus-philosophicus and Peter Weiss' Rapporte 2 or Theodor W. Adorno's Drei Studien zu Hegel and Walter Benjamin's Zur Kritik der Gewalt – in two parts and recombining them to new titles with new authors, Ortmeyer is summing up of what defined the intellectual discourse of our country in those and following years.

While these works allow a backwards glance into periods of German and international history, the installation KAPITALISMUS+KRIEG KRIEG+KAPITALISMUS offers a timeless critique of capitalism and its entanglement in necessitating war, achieved using the simplest of means. Across a Monopoly board walk chess pieces, the strategic character of the chess pieces being effectively corrupted by the figures and elements of the Monopoly game.

The works of the exhibit conspire to call many assumptions and ideas into question. Unconventional presentations of historical events and artifacts allow realities to surface that otherwise would defy observation though scientific or other scholarly means. With her work, Ortmeyer shifts the perspective of the viewer, and insodoing offers him a unique insight into the world and its history.