Jonas Maas
<i>Plural</i>
Figge von Rosen Galerie, Berlin
Installation view
Jonas Maas
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Jonas Maas
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Figge von Rosen Galerie, Berlin
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Jonas Maas
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Wir freuen uns, am 2. Mai 2014 um 18.00 Uhr mit Plural unsere erste Einzelausstellung in Berlin von Jonas Maas (*1985, Trier, lebt in Düsseldorf) zu eröffnen. Maas wählte den Titel der Aus­stel­lung mit Be­dacht, die aus­ge­stellten "Gemälde" zeigen die Vielfalt dessen, was er unter "Malerei" ver­steht. Wäh­rend die klassische Gat­tung der Malerei dadurch definiert war, dass Farbe, mit ei­nem Binde­mit­tel gebunden, vom Maler mittels ei­nes Werkzeugs (Pinsel, Spachtel, Rolle etc.) auf einen Bild­träger aufgetragen wird, erweitert Maas das Spek­trum der Möglichkeiten dessen, was unter "Ma­le­rei" oder "Gemälde" subsumiert werden kann, radikal.

Im ersten Ausstellungsraum etwa zeigt Maas zwei UV-Drucke auf Aluminium, die jeweils mit Stahl­winkeln an der Wand montiert sind. UV-Druck ist ein Druckverfahren bei dem die auf dem Trä­germaterial aufliegende Tin­te direkt nach dem Druck durch UV-Licht gehärtet wird. Der UV-Druck zeichnet sich unter anderem da­durch aus, dass er auf quasi jedes glatte Material gedruckt werden kann. So zum Beispiel eben auch – wie in unser Aus­stellung – auf eine in der Mitte ge­knick­te Alu­mi­niumplatte. Der Bildträger, der mit einem Abstand von ca. 12 cm zur Wand montiert ist liegt nicht auf der Wand auf, sondern kragt des Knicks wegen leicht in den Raum.

Das von Maas am Computer entworfene und dann auf die mit Acryl grundierte Oberfläche ge­druck­te "Bild" setzt sich aus verschiedenen Bildebenen zu­sam­men. Gegenläufige Raster, male­risch-gestisch wirkende Passagen, der Einsatz un­ter­schied­li­cher Farben führen zu einem Resultat, das beim Betrachter zu Orientierungslosigkeit führt: die ein­­zel­nen Strukturen sind nicht festzu­ma­chen. Das von Maas verwendete Verfahren dient ihm also nicht der Vervielfältigung einer Bildidee, sondern er nutzt es als Erweiterung malerischer Möglichkeiten.

Eine Erweiterung malerischer Möglichkeiten ist auch in den Arbeiten zu sehen, bei denen das ei­gentliche Bild – man meint bauchige Segel in Weiß auf schwarzem oder in Schwarz auf weißem Grund auf HDF (hoch­dichter Faserplatte) oder Aludibond zu erkennen – auf einer hölzernen Ra­sterkonstruktion montiert sind. Die eigentliche (Bild-)tafel, die keineswegs dem traditionellen Recht­­eck (oder bisweilen Oval oder Kreis) entspricht, sondern vielmehr auf vielfältigste Weise be­schnitten, bzw. auseinandergeschnitten ist, ist mit Kreidegrund grundiert und dann wurde das "Bild" mit Sprühfarbe und Lack aufgetragen. Bei der Arbeit im ersten Raum ist der Lack teilweise glänzend und durch die Spiegelung wird der Raum mit einbezogen. Auch durch die Kombination aus gerastertem, farbigen Bildträger (im engeren Sinne des Wortes: Konstruk­tion, die das Bild trägt, ein gebrochenes Zitat des früheren Keilrahmens) und Bildtafel verlässt die Arbeit den an­ge­stammten Platz der Malerei: die Wand. Der Bildraum und der tatsächliche Raum werden mitein­an­der verschränkt, wozu eben auch die beschnittenen HDF-Platten genauso wie die schräge Mon­ta­ge der Gitter, die nicht an der Vertikalen und Horizontalen aus­ge­rich­tet sind, bei­tra­gen. Was bei ei­ner orthogonalen Hängung der Raster für "Ordnung" und Orien­tie­rung sorgen könnte (unser ge­sam­tes mathematisches und geographisches System baut auf der Vorstellung von vertikal und ho­rizontal gegliederten Räumen auf), führt hier zu einer spie­le­rischen Negation überkommener Seh­ge­wohn­heiten.

Zwei weitere Arbeiten aus unser Ausstellung lassen sich kaum noch als Malerei verstehen: im er­sten Raum ist es eine beschnittene Holzplatte von der nur noch drei Seiten vor­handen sind. Die linke Seite sowie im Grun­de der gesamte Teil in der Mit­te, der es nahelegte, von einer "Platte" zu sprechen, wurden entfernt. Zu­­rück bleibt etwas, von dem man meinen könnte, es handele sich um Rest­holz einer Schreinerei. Nur: es ist fast ausgeschlossen, dass ein Schrei­ner eine Holzplatte mit der­ar­tigen kreisrunden Seiten entwickelt. Viel­mehr ist die Negativ­form genauso wie das, was Maas als Relief mit 3,5 cm Abstand zur Wand montiert, eine ganz ei­ge­ne Form. Sie zeichnet sich da­durch aus, dass ein negativer Bildraum durch die verbliebenen drei Seiten definiert wird. Im zwei­ten Raum ist es eine Kombination aus zwei rosa Win­keln, die einen mittigen, negativen Bildraum definieren. Die beiden Winkel sind durch un­re­gel­mäßig beschnittene, grünliche Aluminiumplatten hinterfangen. Diese sehen aus, als könn­ten sie das eigentliche Bild sein, während die rosa Winkel auf den traditionel­len Rah­men verweisen. Alles ist mit Gewindestangen und 5 cm Abstand zur Wand montiert, wiederum ist es eine flache, aber gleichzeitig in den Raum reichen­de Formation, die vielleicht am ehesten als Relief zu lesen ist. Für Maas bleibt es aber Malerei, was nicht zuletzt den verwendeten Far­ben und unterschiedlichen Methoden, diese auf­zu­tra­gen, geschuldet ist.

Maas' Werke zeichnen sich da­durch aus, dass er auf die schon früher ein­ge­setz­ten Brechungen von Malereitraditionen verweist: er spielt ein Spiel der Referenzen, die als Summe der früheren Brüche gelesen werden können.

Für weitere Informationen und/oder Bildmaterial, wenden Sie sich bitte an die Ga­lerie.

We are proud to inaugurate on May 2, 2014 at 6.00 pm Plural, our first single exhibition in Berlin with Jonas Maas (born 1985, Trier, lives and works in Düsseldorf). Maas chose the show's title con­­sciously, the exhibited "paintings" document the multiplicity of what he understands under the category of pain­ting. While the classic idea of painting was defined by applying paint, bound by a binder, on a surface with a tool (brush, spattle, roller etc.), Maas is enlarging in a radical way the spectrum of possibilities of what can be subsumed under "painting".

In the first exhibition space Maas shows two UV-prints on aluminum that are mounted to the wall with steel-constructions. A UV-print is a printing method that involves UV-light for the immediate drying pro­cess after the ink has been applied. The UV-print is characterized by the ability to use it on any kind of smooth material. For instance, it can be printed also on an aluminum plate that is creased in the middle. The picture carrier that is mounted to the wall with a distance of 12 cm is thus not hanging parallel to the wall, but is tilted towards the space.

The image that has been designed on the computer and printed on the surface (that has been primed with acrylic paint) is a conglomerate of different picture-layers. Grids working in opposite directions, pain­terly and gesture-like sections, and different colors lead to a result that create disorientation in the viewer: the single structures cannot be determined. Maas thus does not use "printing" for the multipli­ca­tion of one image, but rather for enlarging the number of painterly possibilities.

One way of enlarging painterly possibilities can be seen also in the two works that show the image – one believes in seeing sails in white on black respectively black on white on HDF (high-density fi­ber­board) or alucobond – mounted on, or better: in a wooden grid. The image / plate is not at all following the traditional rectangle (or eventually oval or circle), but is cut in multiple ways, respectively divided. Be­fore applying this image with spray-paint and varnish, the picture plane was primed with half-chalk ground. The work in the first exhibition space has been executed partly with shining varnish and thus the space around is mirrored and included. Also, the combination of a colored construction (the grid) car­rying the image (and thus: citing the former stretcher bar) on a mounted picture plane, the place for a painting, that is: the wall, is exceeded. The pictorial space and the real space are interlocked, part of this process is born by the cut HDFs and the cantilevered way the grids are mounted. Whereas an or­thogonal hanging of the grids would have been able to cater for "order" and orien­tation (our whole mathe­matical and geographical system is built upon the idea of vertical and horizontal spaces), the cantilevered way of mounting the grids is playfully negating the traditional viewing habits.

Two more works from the show can be barely understood as painting: in the first exhibition space it is a cut wooden plate of which only three sides are left. The left side as well as the center of what could be called a plate were cut off. The remains are what could be considered a left-over in a carpenter's workshop. However, it is almost excluded that a carpenter would create a plate with similar rounded sides. Thus, the negative cut out is what the relief, mounted with a distance of 3.5 cm to the wall, is: a particular form in itself. It is determined by the negative pictorial space defined by the three remaining sides. In the second space it is the combination of two angles that define a central negative space. The two angles have, as a background, two irregularly cut aluminum-plates. They look as if they could be the image itself whereas the pink angles could be the traditional frame. The whole set is mounted to the wall with a distance of 5 cm. Again, it is a flat construction that is including the real space, a con­struction that can be read as a relief.Maas, however, is considering it as painting, due to the co­lors used and the different methods of color application.

Maas' works are distinguished by the way they refer to earlier traditions (and the distortion of these traditions): he is playing a game of references that can be read as the sum of earlier fractions.

For more information and/or images please contact the gallery.