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Fragen an Rebecca Ann Tess zu ihrer Ausstellung Open to the Public das Interview führte Philipp von Rosen, Köln / Berlin Juni 2020

 

Philipp von Rosen: Wenn man die Fotografien Alpha++ Models aus Open to the Public mit denen aus deiner letzten Ausstellung Alpha++ vergleicht, dann fällt ins Auge, dass die neuen Bilder erzählerischer, dokumentarischer sind als die aus 2016. Damit geht einher, dass die Abstände zwischen den Motiven und dir, bzw. der Kamera, größer geworden sind. Wir sehen mehr von der Welt als quasi abstrakte Ausschnitte von Fassaden zeitgenössischer Architektur – wie das bei den Template Selection-Fotografien der Fall ist. Warum gehst du diesen Schritt in die Distanz?

Rebecca Ann Tess: In den zwei Werkgruppen interessieren mich unterschiedliche Abstraktionsgrade, allerdings sind sich die Fotografien Template Selection und Alpha++ Models inhaltlich näher als es auf den ersten Blick vielleicht scheinen mag. Die Fotos habe ich seit 2012 parallel aufgenommen. Die Templates Reihe mit den 34 Fotografien ist gewissermaßen ein Outtake, der nicht nur von der Anzahl, mit über 100 Fotografien, komplexeren Serie Alpha++ Models. Auch inhaltlich geht es mir darum aus vielerlei Perspektiven Lebenswirklichkeiten einer kapitalistischen, neoliberalen Welt in Bezug zueinander zu setzen. Die Template Selections auf der anderen Seite zeigen ähnliche Orte, allerdings als reproduzierbare Patterns, sie bilden den ästhetischen Hintergrund wie ein Musterkatalog.
LOTTE’s Empire – on Hold #1, bildet den Auftakt von Alpha++ Models, aufgenommen während meines ersten Südkorea-Aufenthalts, es zeigt einen Baukran von der Aussichtsplattform der Shopping Mall Lotte in Busan. Das Fundament für den Lotte Town Tower (510 m) wurde gerade gelegt. Ich hatte mich damals gewundert, wie das Jaebeolunternehmen Lotte finanziell in der Lage ist, in Seoul und Busan zwei über 500m hohe Wolkenkratzer simultan zu errichten, mittlerweile ist der Bau in Busan auf ungewisse Zeit gestoppt. 

PvR: In der Ausstellung zeigst du Fotografien von Landschaften und Städteansichten, die aus der ganzen Welt stammen. Sind es globale Zustände, die du mit deinen Bildern beschreibst?

RAT: Ja genau. Seit einer Weile ist die Global City Ausgangspunkt für eine Reihe von Arbeiten. Das Video The Tallest (2014), das die höchsten Gebäude der Welt zeigt, macht den Auftakt des Projekts Alpha++. Der Kern der neuen Serie sind globale Megastädte wie Hong Kong, Seoul, Shanghai, London oder New York. Diese Städte markieren das Aufweichen der Grenzen der Nationalstaaten. Paradoxerweise führt die stärkere Vernetzung der Orte, gleichzeitig dazu, dass der eigentliche physische Ort an Bedeutung verliert. Diese Erkenntnis hat mich dazu gebracht meinen Blick von den Finanzzentren, zu den Rändern zu bewegen, hin zu fast unberührten Landschaften, welche von globalen Ökonomien scheinbar ausgespart sind. Die Naturaufnahmen sind vorwiegend in Chile entstanden, und das nicht nur der fantastischen vielseitigen Landschaften wegen. Während der Militärdiktatur Augusto Pinochet in den 70er Jahren wurde das Land radikalen, gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen unterzogen. Unter dem Einfluss von Milton Friedman machten die Chicago Boys (chilenische Wirtschaftswissenschaftler, die von 1956–1970 an der Universität von Chicago studiert hatten) Chile zum Versuchsfeld neoliberaler Wirtschaftstheorien mit bis heute weitreichenden Folgen. Ein Thema das mir auf meinen Reisen immer wieder begegnete, ist der Zugang zu Wasser. Seit der Militärdiktatur ist der Landerwerb gekoppelt mit dem Besitz von Wasserrechten, sodass Wasser, das ein Menschenrecht sein sollte, grenzenlos in den kapitalistischen Verwertungsapparat fließt. 

PvR: Die Fotografien aus Open to the Public rufen zum Teil ein starkes Unbehagen hervor. Wir sehen durch zivilisatorische Eingriffe zerstörte Natur oder die Natur ist komplett verdrängt, bleibt nur mehr als „Restnatur“ zu sehen. Ist das nicht ein etwas negativer Blick auf die Welt?

RAT: Es tauchen verschiedene Formen von Natur auf, jene der Großstadt, die hoch ästhetisch gestaltet ist, durch tägliche Pflege und Zurechtstutzen zum Spiegelbild des vorhergehenden Computergrafikentwurfs wird. Funktionale Natur, wie bewachsene Wände, von der sich eine Verbesserung der städtischen Luftqualität erhofft wird. Es gibt Aufnahmen von Natur mit einem freieren Wuchs, die die Stadtränder markiert. Mich interessiert hier nicht so sehr eine Kritik an der Umweltzerstörung, im Vordergrund stehen für mich soziale Fragen wie die Verteilung von Macht und der Zugang zu Ressourcen. Die Natur fungiert hier als ein Außen, etwas das auch ohne uns Menschen existiert. Ich stelle Bilder wie Untouched Creature, ein alter Baum, der ein Zuhause für viele andere Pflanzen bietet, menschengemachten Konstruktionen gegenüber. Die Gleichzeitigkeit von extrem unterschiedlichen Lebensformen rückt in den Blick. So einem gewaltigen Baum im Land der Mapuche (eines der wenigen indigenen Völker, das die Kolonialzeit in Chile überlebt hat) zu begegnen, unterbricht den ständigen Fluss der kapitalistischen Logik und wirft tiefe Fragen auf: Was brauche ich zum Leben? Des Weiteren erscheint die Natur ganz unmittelbar als eine Entität, durch die wir eine intensive physische Erfahrung von Materialität machen können. 

PvR: Noch einmal komme ich auf die Serie Template Selection zurück. Diese Fotografien zeigen ausschnitthaft Fassaden von Wolkenkratzern, jedenfalls von zeitgenössischen, großen Architekturen, oft aus einem nicht-waagerechten Winkel fotografiert. Man sieht vor allem Strukturelemente der Fassaden, manchmal den makellosen und von Details freien Himmel; fast ohne menschliche Spuren, die – wenn überhaupt – nur mit minimalen Zeichen angedeutet werden. Diese Bilder haben einen sehr malerischen Zug, weil sie eben so abstrakt sind, dass man sie fast als „konkrete Malerei“ lesen könnte. Überdies war für die Template Selection, die Auswahl des Fotopapiers mit einer leichten Narbung und auch die Rahmung in eine Schattenfuge aus Stahl (ohne schützendes Glas) von Bedeutung. Aus der abbildenden Fotografie wird ein Objekt, das den Gebäudeoberflächen eine Materialität zurückgibt. Wenn man sich vor Augen führt, dass du deine ersten akademischen Schritte als Künstlerin an der UdK in Berlin in der Klasse von Prof. Bernd Koberling gemacht hast, dann verwundert dieser malerische Ansatz nicht. Jetzt hingegen benutzt du die Kamera und die digitale Bildbearbeitung auf eine erzählerische und dokumentarische Weise. Gleichwohl wird sichtbar, wie genau die Bilder komponiert sind und wie sehr jedes einzelne Detail „stimmt“. Wie kommt es zu den Ergebnissen, die wir in der Ausstellung sehen? Werden die Bilder stark bearbeitet? Oder hast du pro Motiv viele „Schüsse“ zur Auswahl, dass vor allem das beste Bild gewählt werden muss?  

RAT: Die Alpha++ Models teilen sich mit den Template Selection bei den farbigen Motiven das gleiche Papier, jedoch hinter Glas gerahmt. Für die Motive in schwarzweiß habe ich ein Silberpapier gewählt, das die kühle Atmosphäre unterstreicht. Die Auswahl spielt an sich eine große Rolle, nicht nur bei jedem einzelnen Motiv. Die Serie verbindet heterogene Orte miteinander, bei manchen Gruppen hat es mehrere Jahre gedauert bis die Bilder zueinander gefunden haben. Es gibt einige wenige Bilder, bei denen ich die Farben und die Details so vorgefunden habe, dass ich nicht viel bearbeiten musste. Bei den meisten aber habe ich bis auf der Ebene von einzelnen Pixeln eingegriffen und Objekte und Flecken retuschiert und räumliche Perspektiven angepasst. Ein dokumentarisches Moment bleibt trotzdem erhalten, das im Untertitel mit der Ortsangabe und dem Aufnahmejahr markiert ist. Die Bearbeitung sehe ich nicht als Manipulation, vielmehr versuche ich eine vorgefundene Atmosphäre zu verstärken, jene des halblebendigen, einem Environment zwischen einem noch physischen Ort und einer im Werden sich befindenden digitalen Landschaft. Eine Ausnahme bilden hier die Naturaufnahmen, die mit der Vitalität der organischen Formen, eine Antipode zu den fast menschenleeren, totenähnlichen Stadtaufnahmen bilden.

PvR: Es ist evident, dass deinen Fotografien eine analysierende, kritische Haltung zum Umgang von uns Menschen mit der Natur und mit uns selbst als Teilen der Natur, als die wir uns unseren zivilisatorischen Zwängen und Rücksichtslosigkeiten aussetzen, zu Grunde liegt. Auf der anderen Seite gibt es in den Bildern so etwas wie die Schönheit des Grauens. Die Bilder und auch das, was sie zeigen, sind wenigstens interessant, aber eher noch lässt sich von Faszination, Attraktivität oder sogar Schönheit sprechen (ein heikles, komplexes Gebiet, aber nehmen wir es mal als scheinbar unkomplizierten Begriff hin). Wie bringst Du diese, wie es scheint, gegenläufigen Aspekte zusammen? 

RAT: Meine Rolle ist hier die einer Beobachter_in und zwar auch besonders durch eine körperliche Raumerfahrung, nicht so sehr als individuelle Erfahrung, sondern im Sinne eines exemplarischen Körpers. Die Kamera hält eine gewisse Distanz zu dem Geschehen, ohne ihre Involviertheit zu verstecken, wie z.B. im Shanghaier Hotelzimmer No Outside. Die gewählten ästhetischen Mittel, der Fokus auf eine genaue Komposition und die präzise Wahl des Ausschnitts schaffen Raum für die Entfaltung des Geschehens, ohne direkt Position beziehen zu müssen. Der Betrachter kann sich Zeit nehmen, die Ambivalenzen zu spüren.

PvR: Fast alle Fotografien der aktuellen Ausstellung haben sprechende Titel, wie zum Beispiel Naturally Green, das die von einem Rasenmäher zu parallelen Bändern (und zu Tode) gepflegte Grasfläche eines Golfplatzes in Berlin zeigt, oder Whose Water – Tropical Desert, das ein mit Stacheldrahtzaun abgesperrtes Wasserreservoir einer Avocadoplantage auf dem Land in Chile zeigt. Siehst du deine Bilder als aktivistischen Anstoß zum Widerstand? Oder ist es doch eher eine Analyse der gegebenen Situation?

RAT: Ich will nicht ausschließen, dass die Betrachter des Bildes Whose Water – Tropical Dessert Impulse bekommen ihr Konsumverhalten zu überdenken und das Lifestyle-Produkt Avocado als Luxuslebensmittel ansehen werden, das sehr viel Wasser benötigt. Mit Alpha++ Models aber vor allem auch mit dieser Fotografie möchte ich zuallererst Strukturen ins Verhältnis setzen. Wollen wir wirklich, dass für den Anbau von Lebensmitteln, hier die Avocado, reißende Flüsse austrocknen, da die Plantagen damit bewässert werden, und in Folge die regionalen Bevölkerungen mit abgefülltem Wasser beliefert werden müssen und sie nicht genügend Wasser haben, um ihre Wäsche häufiger als einmal im Monat zu waschen? Wie schmeckt eine Avocado, wenn man in einem dieser Bergdörfer das ausgetrocknete Flussbett, umringt von ausgetrockneten Kakteen (Dried out Creature), durchschritten hat?

PvR: Immer wieder sehen wir in den Bildern das Zusammentreffen von Zivilisation und Natur. Beispielhaft kann man dafür auch das Bild sehen, das du für die Einladungskarte ausgewählt hast: Es zeigt zwei monumentale Betonklötze an einer Küste, die achtlos dort abgelegt scheinen. Verwunderlich ist jedoch, dass die beiden Klötze durch ein unfreundliches Hinweisschild („Durchgang verboten – Privatgrundstück“) und eine chilenische Nationalflagge als auf privatem Grund befindlich geschützt werden. Allerdings, wenn man genauer hinsieht, dann bemerkt man, dass die Klötze auf einer Betonplatte lagern und wenn man dann den Untertitel der Fotografie, Ochoquebradas, Los Vilos, Chile, als Internet-Suche eingibt, dann erfährt man, dass es sich nicht um einfache Betonklötze handelt, sondern um 2014 entstandene, avantgardistische Architektur des chilenischen Architekten Alejandro Aravena. Das Haus an der Küste ist der erste Teil einer Gated Community, die von einem privaten Developer initiiert wurde. Wie viel Bewunderung, wie viel Kritik steckt in solchen Bildern, die die Übernahme der wilden Natur und die Befriedigung luxuriöser Bedürfnisse zeigen?

RAT: Mich interessiert an dieser Stelle nicht so sehr das Eindringen in die unberührte Natur, keine Frage, es ist ein sehr wichtiges Thema, wie wir mit den natürlichen Ressourcen umgehen, sondern die Tatsache, dass globale Unternehmungen nicht vor den Rändern halt machen, dass es für eine globale Elite z.B. zur Alltagspraxis gehört ihr Ferienhaus mit dem Hubschrauber aufzusuchen. Die Auseinandersetzung könnte hier mit einer marxistischen Klassenkritik enden, wäre das Ferienhaus nicht ein interessantes avantgardistisches Gebäude, entworfen von einem Architekten, der sich auch viele Jahre im sozialen Wohnungsbau engagiert hat. Auch hier steht die Ambivalenz im Zentrum. Die Betonquader blockieren unsere Sicht auf einen Teils des wilden pazifischen Ozeans, gleichzeitig setzt die brutalistische Form eine Markierung.

PvR: Während du mit deinen früheren Arbeiten explizit Gender-Fragen in Verbindung mit der Film- und Fernsehgeschichte thematisiert hattest, ist dies bei den jetzigen Fotografien nicht mehr gegeben. Allerdings könnte man bei der Darstellung von Wolkenkratzern durchaus an in Beton gegossene Phalli und die männliche stereotype Selbstdarstellung als groß und stark denken. Aber, so hast du mal angedeutet, das liegt nicht in deinem Interesse. Warum?

RAT: Hierzu gibt es zwei Antworten, zum einen sehe ich eine Tendenz der Verwandlung der Stadt zu einer postmaterialistischen, postkörperlichen bzw. postgender Form. Die Navigation durch die gebaute Stadt funktioniert heute ähnlich der Navigation am Computer durch Architektur Renderings. Die Stadt wird zum zweidimensionalen Interface, während die Körperlichkeit immer mehr einer smarten digitalen kompletten Vernetzung weicht und so der eigene Körper und dadurch auch fixe Genderrollen eine weniger wichtige Bedeutung haben. Geschlechterrollen sind in der digitalen Sphäre fluider und zumindest temporär leichter zu wechseln.
Die andere Antwort wäre eine performative – was bleibt wenn wir in allen vertikalen Formen einen Phallus erkennen würden, würde dann auch mein eigener Körper irgendwann zum Phallus werden? In der Fotografie self-, mein erstes Selbstportrait, setzte ich den Körper in direkten Bezug zur städtischen Landschaft. Welche Entfaltungsmöglichkeiten gibt es in diesen designten Arealen? Oder kann sich mein Körper nur noch dem vorherrschenden Design fügen und Teil dieser Struktur werden? 

PvR: Abschließend noch eine Frage zur gegenwärtigen Situation. Denkst du, dass die COVID-19 Pandemie Einfluss auf die Lesart von Alpha++ Models haben könnte? Verweist der Ausstellungstitel Open to the Public auf den gegenwärtigen Lockdown, der an vielerlei Orten auf der Welt weiterhin vorhält?

RAT: Der Ausstellungstitel teilt sich den Namen mit einer Fotografie aus der Hong Kong Elements Mall. Einem sich im Privatbesitz befindender öffentlich zugänglicher Ort, ein sogenannter POPS, wie er in vielen Metropolen im Innen- und Außenbereich häufig vorzufinden ist. Gebote und Verbote finden sich eingraviert auf großen aufgestellten Metalltafeln. Neben Demonstrationsverboten, gibt es z.B. skurrile Beschreibungen wie viele Taschen man mit sich führen darf und dass es einem nur erlaubt ist die Orte gewaschen zu betreten. Gerade jetzt, in einer Zeit in der öffentliche, physische Orte nur begrenzt zugänglich sind, kann man erfahren was auf dem Spiel steht, wenn diese in der Zukunft mehr und mehr von privaten und digitalen Räumen abgelöst werden.
Einige Fotografien der Ausstellung habe ich während des Lockdowns bearbeitet. Es war ein interessanter Moment, zu sehen, wie fragil das globale Handelsnetz ist, das man oft als Selbstverständlichkeit wahrnimmt. Die plötzliche Konzentration auf das unmittelbare Umfeld und die Verschiebung vieler Aktivitäten in digitale Sphären hat mein Raumempfinden, zumindest temporär radikal verändert. Eine dystopische Vorahnung einer post-Stadt erschien, in der die Bevölkerung in kleinen Parzellen hausen wird und Kontakte nur noch über digitalen Medien vonstatten gehen würden. Umso mehr freue ich mich, die neuen Fotografien nun nicht nur in einem digitalen Showroom zeigen zu können.  

Mein Dank gilt im Besonderen der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa, die die Reise nach Chile 2019 mit dem Global Stipendium großzügig unterstützt hat.

Questions to Rebecca Ann Tess about her exhibition Open to the Public; the interview was conducted by Philipp von Rosen, Cologne / Berlin June 2020

 

Philipp von Rosen: If you compare the photographs Alpha++ Models from the show Open to the Public with those from your last exhibition Alpha++, it is striking that the new images are more narrative and follow a documentary-style compared to those from 2016. Along with, the distances between the subjects and you, or the camera, have become greater. We see more of the world than quasi-abstract sections of facades of contemporary architecture – as is the case with the Template Selection photographs. Why do you take this step into the distance?

Rebecca Ann Tess: I am interested in different degrees of abstraction in the two groups of works, however the Template Selection and Alpha++ Models photographs are closer to each other in terms of content than it might seem at first glance. I have been taking the photos simultaneously since 2012. The Templates series with its 34 photographs is in a way an outtake, not only due to the number of over 100 photographs, of the more complex series Alpha++ Models. Also, contentwise I am interested in relating the realities of life in a capitalist, neoliberal world, from multiple perspectives. The Template Selections on the other hand show similar places, but as reproducible patterns, forming an aesthetical background like a pattern catalogue.
LOTTE's Empire – on Hold #1, is the prelude to Alpha++ Models, taken during my first stay in South Korea. It shows a construction crane from the observation deck of the Lotte shopping mall in Busan. The foundation for the Lotte Town Tower (510 m) had just been laid. At that time I was wondering how the Jaebeol company Lotte is financially able to build two over 500m high skyscrapers in Seoul and Busan simultaneously, meanwhile the construction in Busan is on hold for an uncertain time. 

PVR: In the exhibition you show photographs of landscapes and cityscapes from all over the world. Are they global conditions that you’re describing in your pictures?

RAT: Yes, exactly. For a while now, the Global City has been the starting point of a series of works. The video The Tallest (2014), showing the tallest buildings in the world, marks the beginning of the Alpha++ project. The core of the new series are global megacities such as Hong Kong, Seoul, Shanghai, London or New York. These cities mark the loosening of the borders of the nation state. Paradoxically, the stronger interconnections of places lead to the fact that the actual physical place loses its significance. This realization has led me to move my gaze from the financial centers, to the margins, to almost untouched landscapes that seem to be spared from global economies. The nature shots were mainly taken in Chile, not only because of the fantastic and diverse landscapes. In the 1970s, during the military dictatorship of Augusto Pinochet, the country underwent radical social and economical changes. Under the influence of Milton Friedman, the Chicago Boys (Chilean economists who had studied at the University of Chicago from 1956–1970) turned Chile into a test-bed of neoliberal economic theories, with consequences that are still far-reaching today. One topic that I encountered again and again on my travels is access to water. Since the military dictatorship, the acquisition of land has been linked with the possession of water rights, so that water, which should be a human right, flows boundlessly into the capitalist exploitation apparatus. 

PVR: The photographs from Open to the Public sometimes evoke a strong sense of unease. We see nature destroyed by civilizing interventions or nature is completely repressed, only remaining to be seen as "residual nature". Isn't that a somewhat negative view of the world?

RAT: Various forms of nature appear, those of the big city, which is highly designed, through daily care and pruning becomes a reflection of the previous computer graphics. Functional nature, such as overgrown walls, which bears the hope to improve urban air quality. There are photographs of nature with a freer growth, which marks the outskirts. I'm not so much interested in a critique of environmental destruction here, but rather in social issues, the distribution of power and access to resources. Nature, functions here as an outside, something that exists without us humans. I juxtapose images like Untouched Creature, an old tree that provides a home for many other plants, with man-made constructions. The simultaneity of extremely different forms of life comes into focus. To encounter such a huge tree in the land of the Mapuche (one of the few indigenous peoples that survived the colonial period in Chile) interrupts the constant flow of capitalist logic and raises deep questions: What do I need to live? Furthermore, nature appears as an instant entity through which we can have an intense physical experience of materiality. 

PVR: Let me come back to the Template Selection series. These photographs show sections of the facades of skyscrapers, at least of large contemporary architecture, often photographed from a non-horizontal angle. One sees mainly structural elements of the facades, sometimes the immaculate sky, free of details; almost without human traces, which – if at all – are only hinted at with minimal signs. These pictures have a very painterly quality, because they are so abstract that one could almost read them as "hard edge painting". Moreover, for the Template Selection series, the photo paper choice with a slight texture and also the framing with a shadow gap of steel (without protective glass) were important. The depictive photography becomes an object that gives back the materiality to the building surfaces. Considered that you took your first academic steps as an artist at the University of the Arts in Berlin in the class of Prof. Bernd Koberling, this painterly approach is not surprising. However now you use the camera and digital image processing in a narrative and documentary way. At the same time, it becomes visible how meticulously the photographs are composed and how much each individual detail "fits". How do the results we see in the exhibition come about? Are the pictures heavily edited? Or do you have many "shots" to choose from for each scene, that most of all the best picture has to be chosen?

RAT: The Alpha++ Models share the same paper with the Template Selection for the color once, but framed behind glass. For the scenes in black and white I chose a silver paper, which underlines the cool atmosphere. The selection itself plays a big role, not only for each single work. The series connects heterogeneous places with each other, for some groupings it took several years until the pictures found each other. There are only a few pictures where I found the colors and details so that I didn't have to work on them much. In most cases I intervened down to the level of a single pixel, retouching objects and spots and adjusting spatial perspectives. Nevertheless, a documentary moment remains, marked in the subtitle with the location and the year of recording. I do not see the editing as manipulation, but rather as an attempt to intensify a found atmosphere, those of a half-dead, an environment between a still physical place and a digital landscape in the making. An exception to this are the nature pictures, which, with the vitality of the organic forms, form an antipode to the almost deserted, deathlike city pictures.

PVR: It is evident that your photographs are based on an analytical, critical stance towards the way we humans deal with nature and with ourselves as parts of nature, which we expose to our civilizing constraints and ruthlessness. On the other hand, there is something like the beauty of horror in the images. The pictures and also what they show are at least interesting, but rather we can speak of fascination, attractiveness or even beauty (a delicate, complex topic, but let's take it as a seemingly uncomplicated term). How do you bring these, as it seems: opposite, aspects together? 

RAT: My role here is that of an observer, especially through a physical experience of space, not so much as an individual experience, but in the sense of an exemplary body. The camera keeps a certain distance to the event without hiding its involvement, as for example in the Shanghai hotel room No Outside. The chosen aesthetic means, the focus on an exact composition and the precise choice of the framing, creates space for the unfolding of the event without having to take a direct position. The viewer can take her or his time to sense the ambivalences.

PVR: Almost all of the photographs in the current exhibition have speaking titles, such as Naturally Green, which shows the lawn of a golf course in Berlin that has been tended to parallel bands (and to death) by a lawn mower, or Whose Water – Tropical Desert, which shows an avocado plantation in Chile's countryside that has been cordoned off with a barbed wire fence. Do you see your pictures as activist impetus for resistance? Or is it rather an analysis of the given situation?

RAT: I don't want to rule out the possibility that the viewers of the photograph Whose Water – Tropical Desert will feel impulses to reconsider their consumer behavior and see the lifestyle product avocado as a luxury food item that requires a lot of water. With Alpha++ Models, but especially with this photograph, first of all I like to put structures into a relation. Do we really want, that for the cultivation of food, here the avocado, torrential rivers dry up, because the plantations are watered with it, and consequently the regional populations have to be supplied with bottled water and they do not have enough water to wash their clothes more often than once a month? What does an avocado taste like when you have walked through the dried out riverbed surrounded by dried out cactus (Dried out Creature) in one of these mountain villages?

PVR: Again and again we see in the images the confrontation of civilization and nature. An example of this is the photograph you chose for the invitation card: It shows two monumental concrete blocks on a coast, which seem to have been carelessly deposited there. It is surprising, however, that the two blocks are protected as being on private property by an unfriendly sign ("no entry – private property") and a Chilean national flag. However, if you take a closer look, you will notice that the blocks are resting on a concrete slab and if you then enter the subtitle of the photograph, Ochoquebradas, Los Vilos, Chile, as an internet search, you will learn that these are not simple concrete blocks, but avant-garde architecture created in 2014 by the Chilean architect Alejandro Aravena. The house on the coast is the first part of a gated community initiated by a private developer. How much admiration, how much criticism is there in such images that show the adoption of wild nature and the satisfaction of luxurious needs?

RAT: At this point I'm not so much interested in the intrusion into the untouched nature, no question it's a very important topic how we deal with natural resources, but the fact that global undertakings don't stop at the margins, that for a global elite it's part of their everyday life to visit their holiday home by helicopter. The debate could end here with a Marxist class critique, if the holiday home was not an interesting avant-garde building, designed by an architect who has also been involved in social housing construction for many years. Here too, ambivalence is central. The concrete blocks block our view of part of the wild Pacific Ocean, while at the same time the brutalist form sets a marker.

PVR: While in your earlier works you had explicitly addressed gender issues in connection with the history of film and television, this is no longer the case in the present photographs. However, when you think of skyscrapers, you could well think of phalli cast in concrete and the male stereotypical self-representation as large and strong. But, as you once hinted, this is not in your interest. Why?

RAT: There are two answers to that. On the one hand, I see a tendency in the transformation of the city into a post-materialistic, post-bodily resp. post-gender form. The navigation through the built city today works similar to the navigation on the computer through architectural renderings. The city becomes a two-dimensional interface, while the physicality gives way more and more to a smart digital complete network. And so one's own body and thus also fixed gender roles have a less important meaning. Gender roles are more fluid in the digital sphere and at least temporarily easier to change.
The other answer is a performative one – what would remain if we recognized a phallus in all vertical forms, would my own body also become a phallus at some point? In the photograph self-, my first self-portrait, I placed the body in relation to the urban landscape. What possibilities for self-expression are there in these designed areas? Or can my own body only comply with the prevailing design and become part of this structure? 

PVR: A last question about the current situation. Do you think that the COVID-19 pandemic will have an impact on the reading of Alpha++ Models? Does the exhibition title Open to the Public refer to the current lockdown that continues in many places around the world?

RAT: The exhibition title shares the name with a photograph from the Hong Kong Elements mall. A privately owned, public space, a so-called POPS, as it is often found in metropolises, both indoors and outdoors. Dos and don’ts are engraved on large metal plates. Apart from bans of demonstrations, there are also bizarre descriptions of how many bags you are allowed to carry and that you are only allowed to enter the places if you are washed. Especially now, in a time when public, physical places are only accessible to a limited extent, one can experience what is at stake when these will be replaced more and more by private and digital spaces in the future.
I edited some of the photographs in the exhibition during the lockdown. It was an interesting moment to see how fragile the global trade network is, which one often takes for granted. The sudden focus on the immediate environment and the shift of many activities into digital spheres has radically changed my perception of space, at least temporarily. A dystopian premonition of a post-city appeared, in which the population would live in small units and social contacts would only take place via digital media. I am all the more pleased to be able to show the new photographs not only in a digital showroom.

My special thanks go to the Berlin Senate Department for Culture and Europe, which generously supported the trip to Chile in 2019 with the Global Scholarship.