Arcangelo Sassolino

Arcangelo Sassolino (*1967 in Vicenza, wo er lebt und arbeitet) ist seit Anfang der 2000er Jahre als Künstler und Bildhauer tätig. In 2021 wird eine große Installation Sassolinos, Piccolo animismo, in Venedig im Rahmen der Biennale für Architektur ausgestellt.

Eine Beziehung der Arbeiten Sassolinos zum italienischen Futurismus und aber auch und vor allem zur Arte Povera läßt sich nicht leugnen. Auch die von ihm eingesetzten Materialien sind häufig zunächst einmal “arm” und “einfach”. Im Unterschied aber zur Arte Povera geht es nicht um eine symbolische Repräsentation, werden diese „armen“ Materialien nicht mit persönlicher Bedeutung oder gar Emotionen oder Erinnerungen aufgeladen. Vielmehr sind es vor allem stark reduzierte Prozesse, physikalische Phänomene wie Geschwindigkeit, Druck, Schwerkraft, Reibung und kontrollierte Gefahr, die sicht- und erfahrbar gemacht werden. Sassolino setzt seine Materialien direkter und unmittelbarer Krafteinwirkung aus, Kraft erlangt dadurch eine künstlerisch überformte Wahrnehmbarkeit (im Altgriechischen: aisthesis) als physische Größe. Und so funktionieren seine Arbeiten als neue Lösungen für Skulptur.

Natürlich hat dieser Umgang mit Materialien und Formen auch eine politisch-gesellschaftliche Seite. Die Skulpturen dienen Sassolino als metaphorische Spiegel der angespannten, von physischen oder natürlichen Phänomenen bestimmten, gesellschaftlichen Situation in der wir uns befinden. Diesen Bedingungen des Lebens verleiht Sassolino seine Stimme. Und zwar, wie er sagt, in dem er sich bei der Industrie bedient, um existenzielle Fragen zu erörtern.

Arcangelo Sassolino (*1967 in Vicenza, where he lives and works) has been working as an artist and sculptor since the early 2000s. In 2021, a large installation of Sassolino, Piccolo animismo, will be exhibited in Venice as part of the Biennial of Architecture.

A relationship of Sassolino’s works to Italian Futurism and also and especially to Arte Povera cannot be denied. The materials he uses are also often initially “poor” and “simple”. In contrast to Arte Povera, however, it is not a matter of symbolic representation, these “poor” materials are not charged with personal meaning or even emotions or memories. Rather, it is primarily highly reduced processes, physical phenomena such as speed, pressure, gravity, friction, and controlled danger that are made visible and tangible. Sassolino exposes his materials to direct and immediate force, force thereby acquires an artistically transformed perceptibility (in ancient Greek: aisthesis) as a physical quantity. And so his works function as new solutions for sculpture.

Of course, this handling of materials and forms also has a political-social side. The sculptures serve as metaphorical mirrors of the tense social situation in which we find ourselves, determined by physical or natural phenomena. It is to these conditions of life that Sassolino lends his voice. And he does so, as he says, by using industry to discuss existential questions.